Mehrere Hersteller möglicher Coronavirus-Impfstoffe haben innerhalb der vergangenen beiden Wochen positive Zwischenergebnisse veröffentlicht. Die Impfung "steht knapp vor unseren Türen", betonte am Freitag Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie (Pharmig). "Wir sind sehr zuversichtlich, dass Anfang des kommenden Jahres Impfstoffe zur Verfügung stehen", sagte auch Renee Gallo-Daniel, Präsidentin des Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Drei Impfstoffkandidaten der Unternehmen AstraZeneca, BioNTech/Pfizer und Moderna befinden sich bereits im Rolling-Review-Verfahren der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, berichtete Gallo-Daniel bei dem Online-Pressegespräch. Dabei werden Ergebnisse von Studien ausgewertet, noch bevor der Antrag auf Zulassung gestellt wurde. Dadurch wird das Verfahren erheblich verkürzt.

Gute Verträglichkeit, starke Wirkung

Bei dem Impfstoff von AstraZeneca gab es zuletzt Berichte über eine sehr gute Verträglichkeit für Menschen über 55 Jahren und vielversprechende Ergebnisse bei Menschen über 70 Jahren, erläuterte Herzog. Weitere Details aus den Studien seien noch vor Weihnachten zu erwarten. Das Vakzin von BioNTech/Pfizer habe eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Das ist laut Herzog "sehr hoch" und "höher als bei einer normalen Grippeimpfung". Zudem sei er hier stolz, dass die Klosterneuburger Firma Polymun Teile für diesen Impfstoff herstellt. Moderna lässt zudem nach ersten Daten auch eine Wirksamkeit bis 95 Prozent erwarten.

"Bei all diesen Kandidaten sind zwei Dosen innerhalb von 21 Tagen notwendig", berichtete Herzog. Acht weitere mögliche Impfstoffe befinden sich ebenfalls in den entscheidenden Phase-III-Studien. Weltweit gibt es derzeit knapp über 200 Impfstoffkandidaten, der überwiegende Teil davon ist in der präklinischen Phase. Nicht alle Impfstoffe werden auch in Europa verfügbar sein, sagte der Pharmig-Generalsekretär.

Corona-Impfung "klar absehbar"

Eine Corona-Impfung ist jedoch laut Herzog "mittlerweile ganz klar absehbar". Zudem würden die ersten Dosen bereits kurz nach einer Zulassung verfügbar sein. Wenn ein Impfstoff in Phase-II ist, werde daran nichts mehr geändert. Mehrere Unternehmen hätten daher bereits mit der Massenproduktion begonnen. Das ist ein Risiko, erläuterte Herzog. Wenn es keine Zulassung gibt, müsste viel Impfstoff vernichtet werden.

Die fortgeschrittenen Impfstoffstudien laufen "mit 30.000 oder mehr Teilnehmern", berichtete Stefan Kähler, Vorsitzender des Standing Committees Klinische Forschung der Pharmig. Bei dieser Zahl gibt es einen guten Blick auf etwaige Nebenwirkungen. Sicherheit und Wirksamkeit müssen auch in einem beschleunigten Zulassungsprozess bei der EMA belegt werden, betonte Gallo-Daniel.

EU hat Verträge abgeschlossen

Die EU habe Verträge für alle Mitgliedsstaaten abgeschlossen und somit "für bis zu 15 Milliarden Impfdosen Vorsorge getroffen", sagte Gallo-Daniel. Österreich wird aufgrund seiner Bevölkerungszahl zwei Prozent von den Kontingenten erhalten. Von 200 Millionen Dosen eines Herstellers für die EU bedeute das vier Millionen für Österreich. Diese werden "nicht alle gleichzeitig da sein", so die ÖVIH-Präsidentin. Hände waschen, Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen wird uns noch weiter begleiten, sagte Kähler, der mit Vergleichsdaten der Spanischen Grippe zum Ende des Ersten Weltkriegs vor einer dritten Coronavirus-Welle im März/April 2021 warnte. (apa)