Arecibo ist nicht mehr. Die an Stahlseilen über einem riesigen Parabolspiegel befestigte Vorrichtung brach am Dienstag plötzlich ein, wie die US-Wissenschaftsbehörde National Science Foundation mitteilte. Bis jetzt liegen keine Berichte über Verletzte vor.

Das Radioteleskop war eine Ikone der Weltraumforschung und sogar Menschen bekannt, die sich für diesen Zweig der Wissenschaft nicht interessiert haben. Es bildete die Kulisse für den James-Bond-Film "GoldenEye" und für den Science-Fiction-Film "Contact" mit Jodie Foster.

Die Verfilmung des Romans von Carl Sagan war am rechten Platz: Denn Arecibo war auch ein Zentrum der wissenschaftlich fundierten Suche nach intelligentem außerirdischem Leben (Seti). So ist die Arecibo-Botschaft eine Botschaft von der Erde an mögliche Außerirdische in Form eines Radiowellen-Signals. Sie wurde einmalig am 16. November 1974 um 1 Uhr AST (Atlantic Standard Time) vom Arecibo-Observatorium gesendet.

Stilllegung beschlossen

Der Betrieb des Radioteleskops war 1963 aufgenommen worden. Das Observatorium war rund um die Uhr in Betrieb. Etwa 140 Menschen waren beschäftigt. Ein unabhängiges Gremium verteilte die Beobachtungszeiten an jährlich rund 200 Astronomen in aller Welt, die diese aus der Ferne wahrnehmen konnten. Das Besucherzentrum zählte rund 100.000 Besucher pro Jahr.

Das riesige Radioteleskop war freilich in die Jahre gekommen. Am 10. August und am 6. November dieses Jahres rissen Stahlseile, die die 900 Tonnen schweren Geräte über dem Parabolspiegel mit einem Durchmesser von 305 Metern hielten. Eine Reparatur wäre nur unter Lebensgefahr möglich gewesen. Daraufhin beschloss die National Science Foundation die Stilllegung des Observatoriums. Nun ist die Instrumentenplattform abgestürzt - womit Arecibo an diesem 1. Dezember 2020 endgültig Geschichte ist. Der Astrobiologie-Professor Abel Mendez von der Universität von Puerto Rico in Arecibo sprach demnach auch von einer "totalen Katastrophe". (apa/eb)