Die Regierung hat am Mittwoch im Ministerrat die neue Forschungsstrategie 2030 sowie den im neuen Forschungsfinanzierungsgesetz vorgesehenen "Pakt für Forschung, Technologie und Innovation" (FTI-Pakt) beschlossen. In diesem Pakt sind für die zehn wichtigsten Forschungsförderagenturen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen insgesamt 3,86 Milliarden Euro für die Jahre 2021 bis 2023 vorgesehen, das ist um 27 Prozent mehr als für den Zeitraum 2018 bis 2020.

2010 hat die damalige Bundesregierung eine FTI-Strategie mit dem Ziel beschlossen, bis 2020 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) auf 3,76 Prozentpunkte des BIP ("Forschungsquote") zu steigern und in einem der maßgeblichen Rankings, dem "European Innovation Scoreboard" (EIS), in die Gruppe der "Innovation Leader" vorzustoßen. Beides ist nicht gelungen: Österreich nimmt 2020 im EIS Rang acht ein und zählt damit zu den "Strong Innovators", die Forschungsquote betrug im Vorjahr 3,18 Prozent des BIP. Mit diesen Forschungsausgaben liegt Österreich allerdings immerhin EU-weit auf Rang zwei.

Wunsch nach "Output-Steigerung"

"Die FTI-Strategie 2030 beruht auf einem klaren Bekenntnis zu Effizienz und Output-Steigerung", heißt es im Ministerratsvortrag von Bundeskanzleramt und den drei mit Forschung befassten Ressorts (Bildungs-, Wirtschafts- und Klimaschutzministerium), die das Papier ausgearbeitet haben. In diesem wird in Form von drei übergeordneten Zielen die strategische Richtung für die kommenden zehn Jahre vorgegeben: Österreich soll zum internationalen Spitzenfeld aufschließen und der FTI-Standort gestärkt werden (Ziel 1), der Fokus soll auf Wirksamkeit und Exzellenz gerichtet (Ziel 2) und es soll auf Wissen, Talente und Fertigkeiten gesetzt werden (Ziel 3).

Zur Erreichung dieser Ziele werden in der mit 16 Seiten vergleichsweise schlanken FTI-Strategie (jene von 2010 hatte 48 Seiten) acht "Handlungsfelder" definiert. Diese reichen vom Ausbau der Forschungsinfrastruktur über die Förderung exzellenter Grundlagenforschung sowie den Einsatz von FTI zur Erreichung der Klimaziele bis zur Entwicklung und Förderung der Humanressourcen.

Zu jedem der drei Ziele werden konkrete Indikatoren genannt: So will man bei Ziel 1 etwa im EIS auf Rang fünf vorstoßen, fünf bis zehn neue FTI-intensive Leitbetriebe anwerben und die Zahl der konstant F&E treibenden Firmen um 20 Prozent steigern. Bei Ziel 2 wird eine "sukzessive Steigerung der F&E-Ausgaben gemessen am BIP" angestrebt, um weltweit unter die Top-5 zu kommen (derzeit Platz 7 laut OECD-Ranking). Weiters sollen die Venture Capital-Ausgaben von 0,02 Prozent auf 0,1 Prozent des BIP angehoben und die Zahl der wirtschaftlich erfolgreichen akademischen Spin-offs verdoppelt werden. Und bei Ziel 3 soll unter anderem der Anteil an Absolventen in MINT-Fächern (Mathematik, Information, Naturwissenschaft und Technik) um 20 Prozent gesteigert werden. Angestrebt wird auch, zwei Unis unter die Top-100 beim "Times Higher Education Ranking" zu bringen, derzeit ist nur die Uni Wien in den Top 200.

"Fokus auf Wirksamkeit und Exzellenz"

Die auf zehn Jahre ausgerichtete FTI-Strategie soll dann - ebenso wie das in diesem Jahr beschlossene Forschungsfinanzierungsgesetz (Fofinag) - alle drei Jahre in Form eines FTI-Pakts durch konkrete Maßnahmen mit Leben erfüllt werden. Für den ersten FTI-Pakt für die Jahre 2001 bis 2023 stellt die Regierung in Summe 3,86 Milliarden Euro zur Verfügung. Die entsprechenden Budgetposten wurden bereits beim Beschluss des Bundesbudgets im Herbst fixiert. "Insgesamt wollen wir den FTI-Standort Österreich stärken, in der Forschung den Fokus auf Wirksamkeit und Exzellenz legen und die Begeisterung für Wissenschaft und Forschung wecken", erklärt Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einem der APA übermittelten Statement. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) sieht Forschung und Innovation als "wichtigen Hebel im Kampf gegen die Klimakrise". Die Strategie unterstütze Österreich dabei, "Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu werden". Die Investition eines Euros in den FTI-Bereich löse langfristig einen Zuwachs des BIP um bis zu sechs Euro aus, konstatiert Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP): "Daher haben wir uns auch darauf geeinigt, die Wirkung von Forschungsausgaben zu erhöhen und die öffentlichen Mittel noch zielgenauer und effizienter einsetzen." (apa)