Zu welchen Leistungen die Wissenschaft bei weltweiten Anstrengungen fähig ist, hat sie eindrucksvoll im ersten Jahr der Corona-Pandemie gezeigt.

Nach dem Start der Impfung gegen Covid-19 mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin in der EU und der Zulassungsentscheidung über die Impfung des US-Pharmakonzerns Moderna soll der von der Universität Oxford und dem Pharmakonzern Astra Zeneca entwickelte Impfstoff folgen. Parallel dazu geht die Entwicklung von Therapeutika weiter: In den kommenden Wochen werden tragfähige Daten aus einer klinischen Studie zu dem vom österreichischen Genetiker Josef Penninger mit entwickelten Sars-CoV-2-Medikamentenkandidaten "APN01" erwartet.

Unter dem Namen "Horizon Europe" startet das neue EU-Forschungsrahmenprogramm. Mit einem Budget von 95,5 Milliarden Euro für 2021 bis 2027 gilt es als weltweit größtes Forschungsförderungsprogramm. Finanzstärkstes Element ist mit 53,5 Milliarden Euro die Säule "Globale Herausforderungen und europäische industrielle Wettbewerbsfähigkeit", wo Ziele mit hoher gesellschaftlicher Relevanz erreicht werden sollen.

Der "Europäische Innovationsrat" EIC soll die Umsetzung vielversprechender Technologien vom Labor bis zur Marktreife mit zehn Milliarden Euro unterstützen. Die bewährte Förderung exzellenter Grundlagenforschung durch den Europäischen Forschungsrat ERC wird fortgeführt.

Auch die Open-Access-Initiative "Plan S" tritt in Kraft. Ihr Ziel ist es, den freien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbessern und die Dominanz kostenpflichtiger Fachjournale im Wissenschaftsbetrieb zurückzudrängen. Rund 20 internationale Forschungsförderungsorganisationen, darunter der heimische Wissenschaftsfonds FWF, wollen alle qualitätsgeprüften Publikationen, die aus mit öffentlichen Mittel geförderten Arbeiten hervorgehen, frei und kostenlos zugänglich machen.

Auch forschungspolitisch gibt es in Österreich einiges zu tun: Neben der geplanten Neuordnung der Beratungsgremien für Wissenschaft und Forschung soll der im Regierungsprogramm vorgesehene "Fonds Zukunft Österreich" umgesetzt werden, der die Sonderdotierung der ausgelaufenen Nationalstiftung für Forschung kompensieren soll. 140 Millionen Euro jährlich würden ab 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn der Fonds nicht realisiert würde.

Was umzusetzen ist

Nachdem die Regierung einen Tag vor Weihnachten die Forschungsstrategie 2030 und den "Pakt für Forschung, Technologie und Innovation" beschlossen hat, geht es darum, diese mit Leben zu erfüllen. Mit dem Pakt wurde ein Budget für 2021 bis 2023 mit insgesamt 3,86 Milliarden Euro für Forschungsinstitutionen, Forschungsträger und Förderagenturen fixiert. Ein Fixpunkt beim FWF wird dabei die lange erwartete Exzellenzinitiative sein.

Astronomisch ist das Highlight am Himmel eine partielle Sonnenfinsternis am 10. Juni. Mit Spannung wird der mehrmals verschobene Start des "James Webb"-Weltraumteleskops am 31. Oktober erwartet, das neue Bilder aus dem frühen Universum liefern soll.

Mit "Perseverance" soll im Februar ein Nasa-Rover auf dem Mars landen und nach Spuren von Leben suchen. Ebenfalls im Februar soll die Sonde "Al-Amal" ("Hoffnung") der Vereinigten Arabischen Emirate in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken und das erste vollständige Bild des Mars-Klimas liefern. Außerdem will China auf dem Mars landen. Weiters will Russland im Herbst erstmals seit 45 Jahren mit "Luna 25" eine Mondmission starten. Und die Nasa will im vierten Quartal mit "Artemis" die erste Etappe ihrer Bemühungen beginnen, wieder US-Astronauten auf den Mond zu bringen. Dazu soll das Raumschiff "Orion" zunächst unbemannt den Mond umrunden und wieder zur Erde zurückkehren. Auch Indien könnte Ende des Jahres mit "Chandrayaan-3" einen weiteren Versuch starten, ein Landemodul auf dem Mond abzusetzen.

Das heurige Jahr bringt auch neue Köpfe in der österreichischen Wissenschaftsszene. Den traditionellen Auftakt macht am 7. Jänner der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten mit der Präsentation des oder der "WissenschafterIn des Jahres". Der FWF bekommt dann im Februar einen neuen Präsidenten. Und in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) läuft die Amtszeit von Präsident Anton Zeilinger zwar noch bis 2022, doch für die Wahl werden sich wohl einige Kandidaten intern in Stellung bringen.(apa/est)