Der Impfstoff der Partner BioNTech/Pfizer scheint laut einer vom US-Arzneimittelhersteller durchgeführten Studie gegen die in Großbritannien und Südafrika entdeckten Virusvarianten zu wirken. "Wir haben jetzt 16 verschiedene Mutationen getestet, von denen keine wirklich signifikante Auswirkungen hatte. Das sind die guten Nachrichten", sagte einer der führenden Wissenschafter für virale Impfstoffe bei Pfizer. "Das heißt aber nicht, dass die 17. keine Auswirkungen haben wird."

Bei Viren gibt es stetig zufällige Veränderungen im Erbgut, Mutationen genannt. Manche verschaffen dem Erreger Vorteile - etwa, indem sie ihn leichter übertragbar machen. Im Dezember wurden eine Variante des Coronavirus (B.1.1.7) in Großbritannien sowie eine ähnliche (501Y.V2) in Südafrika nachgewiesen, die ersten Analysen zufolge ansteckender sein könnten als die bisher kursierenden. In etlichen Ländern wurde diese Varianten inzwischen ebenfalls festgestellt, auch in Österreich.

20 Menschen untersucht

Nun wurden die Antikörper im Blut von 20 geimpften Menschen untersucht, wie aus der noch nicht in einem Fachjournal veröffentlichten und von unabhängigen Experten geprüften Studie des US-Pharmaunternehmens Pfizer und der Universität Texas hervorgeht. Demnach erreicht der Impfstoff bei den abgewandelten Formen wahrscheinlich ebenfalls eine Wirksamkeit von um die 95 Prozent.

Die Variante B.1.1.7 war im Dezember erstmals in Großbritannien nachgewiesen worden. Ähnlich wie die in Südafrika aufgetauchte Variante 501Y.V2 zeichnet sie sich durch Veränderungen im Erbgut aus, die mehrere Veränderungen beim sogenannten Spike-Protein auf der Oberfläche zur Folge haben. Mit ihm dockt das Virus an Körperzellen an, um in diese einzudringen. Das Spike-Protein ist aber auch das indirekte Ziel der in der EU zugelassenen RNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna.

Die Mittel regen Körperzellen an, dieses Protein herzustellen. Das gaukelt dem Körper eine Infektion vor, das Immunsystem wird aktiviert und bildet unter anderem Antikörper gegen das Protein. Sie sollen bei einer späteren Infektion bei der schnellen Abwehr des Virus helfen, indem sie an das Spike-Protein binden und es so für die Abwehr als "feindlich" markieren.

Gute Immunantwort

Theoretisch wäre es durchaus denkbar, dass Veränderungen am Spike-Protein von SARS-CoV-2 dazu führen, dass die gebildeten Antikörper nicht mehr binden können. Der Impfstoff wäre damit unwirksam. Doch bisher gibt es keine Hinweise darauf. Forscher sind optimistisch, dass das auch so bleibt. Denn der Immunantwort eines Geimpften ist gar nicht so leicht zu entkommen.

Das liegt unter anderem daran, dass Menschen nach der Corona-Impfung nicht nur eine einzelne Art schützender Antikörper gegen das Spike-Protein herstellen, sondern viele verschiedene, wie der Berliner Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast erklärte. Fachleute sprechen von polyklonalen Antikörpern. Dieser Antikörper-Mix kann an einer Vielzahl von Bindestellen am Spike-Protein angreifen. Deshalb dürften einzelne Veränderungen an diesem Protein erst einmal wenig Auswirkungen haben.

Sehr viel spreche dafür, "dass die Veränderungen bisher bei weitem nicht so substanziell sind, dass die jetzt kommenden Impfstoffe nicht wirken", sagt auch Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Immunität nicht nur durch Antikörper

Zudem gebe es durchaus Limits, wie stark sich das Spike-Protein verändern kann, erklärte Adam Lauring, Experte für die Evolution von RNA-Viren an der US-amerikanischen Universität Michigan, kürzlich in einem Podcast. "Es hat nicht unbegrenzt viele Möglichkeiten, durch Veränderungen den Antikörpern zu entkommen, weil es ja immer noch seine Aufgabe erfüllen muss." Dazu gehört es, an Körperzellen zu binden und dem Virus das Eindringen zu ermöglichen.

Drosten betonte noch einen weiteren Aspekt. "Die Immunität läuft nicht nur über Antikörper." Sogenannte T-Zellen, die ebenfalls Teil des menschlichen Immunsystems sind, hätten andere Bindestellen als Antikörper. Die Bindestellen der T-Zellen seien am Anfang einer Epidemie oft noch gar nicht von solchen Mutationen betroffen. Die meisten Impfstoffe riefen wohl auch eine ganz gute T-Zell-Immunität hervor, so Drosten.

Einen Effekt wie bei der Grippe - Fachleute sprechen von Gendrift - erwartet Drosten bei SARS-CoV-2 erst in einigen Jahren, wenn das Coronavirus endemisch geworden ist. Grippe-Impfstoffe müssen wegen Veränderungen der Viren immer wieder angepasst werden. (apa)