Eine neue Forschungsstrategie bis 2030 und der im Forschungsfinanzierungsgesetz vorgesehene "Pakt für Forschung, Technologie und Innovation" (FTI-Pakt), der 3,86 Milliarden Euro für die zehn wichtigsten Förderagenturen und außeruniversitären Einrichtungen 2021 bis 2023 festschreibt: "Das sind um 27 Prozent mehr Mittel als im Zeitraum zwischen 2018 und 2020", sagte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann beim Online-Neujahresempfang des Rats für Forschung und Technologieentwicklung am Montagabend.

"Wir haben die Pralinenschachtel mit Bonbons gefüllt", betonte Faßmann in Anspielung auf eine Forderung des ehemaligen Ratsvorsitzenden Hannes Androsch, der sich in seiner Amtsperiode für die Erhöhung der Fördermittel für die Wissenschaften stark gemacht hatte. "Wenn 2020 nicht ein Corona-bedingter Albtraum gewesen wäre, könnte man sagen, es war ein gutes Jahr.

"Das vergangene Jahr war ein Spagat zwischen Aufrechterhaltung und Disruption, Sprint und Stillstand. Um erhebliche Kollateralschäden der Coronakrise zu vermeiden, sind Planbarkeit, Verlässlichkeit und Perspektiven wichtig", betonte die neue Vorsitzende, die Innovationsexpertin Klara Sekanina, zum Auftakt der Veranstaltung. "Finanzierung ist auch eine Frage der Prioritätensetzung, weil nie genügend Mittel das sind, um alle Begehrlichkeiten zu befriedigen. Die Forschungsaktivitäten sind jedoch zentral für den Wirtschaftsstandort und die Gesellschaft."

In seiner fünften Funktionsperiode widmet sich der Forschungsrat insbesondere der Technologiesouveränität Europas im Spannungsfeld der Rivalität zwischen den USA und China. In seinen kürzlich publizierten Arbeitsschwerpunkten schreibt das Beratungsgremium der Bundesregierung technologische und digitale Eigenständigkeit als Voraussetzung für gesellschaftliche und politische Souveränität fest. Als Basis für "Technologiesouveränität" sieht es eine hohe Innovationsleistung, wobei die Kette von der Grundlagenforschung bis zur wirtschaftlichen Umsetzung und Verwertung einer Innovation so weit wie möglich in europäischem Ländern erfolgen sollte.

"Die Pralinenschachtel mit Bonbons gefüllt"

"Nicht zuletzt die Pandemie hat aufgezeigt, wie sehr sich die geopolitische Situation verschoben hat", unterstrich die Stellvertretende Ratsvorsitzende, Infineon- Chefin Sabine Herlitschka: "Technologie ist die neue Währung". Als "Weckrufe" nannte sie die Verkäufe führender europäischer Technologiekonzerne in den Bereichen Robotik, Halbleiter- und Kommunikationstechnologien an chinesische Eigentümer, was angesichts der strategieschen Bedeutung dieser Technologien eine "vernichtende Wirkung" hätte.

Die Infineon-Chefin appellierte an die EU, noch stärker "in Wertschöpfungsketten" zu denken. Derzeit etwa solle "der einzige in EU-Hand verbliebene Hersteller von Siliciumscheiben für Halbleiterplatten", Siltronic, an ein taiwanesisches Unternehmen verkauft werden. "Wenn das geschieht, sind wir komplett abhängig in unserem Alltag, vom Mobiltelefon bis zur Mobilität, und alle Zulieferer und ihre Arbeitnehmer ebenso", sagte Herlitschka und forderte ein selbstbewusstes Auftreten insbesondere gegenüber den USA und China. "Es geht um ein strategisches Bewusstsein in der Globalisierung. Europa ist ein 500-Millionen-Markt, der die Krise für eine Offensiv-Strategie nutzen sollte."

Handlungsbedarf besteht wohl auch deswegen, weil China im Global Innovation Index, einem Ranking zur Forschungsfinanzierung und den wettbewerbsfähigsten Regionen, immer weiter aufholt und zahlreiche EU-Länder in die Ränge verweist.

Österreich will laut dem FTI-Pakt die Teilnahme an EU-Förderprogrammen aller Art, europäischen Großforschungsprojekten und Forschungsverbünden ausbauen, um zum internationalen Spitzenfeld aufzuschließen und den heimischen Standort zu stärken. Der Forschungsrat will sich weiters dem Thema "Missionsorientierung" widmen, mit dem es zu einer stärkeren Fokussierung der FTI-Aktivitäten auf die großen Herasussforderungen der Zeit, wie Klima- und Umweltschutz, kommt. Zu den weiteren Themenschwerpunkten im Fokus des Rates zählen "Bildung", "Hochschulen der Zukunft", "Grundlagenforschung" und "Internationalisierung".