Ist Krebs im Körper auf eine Region beschränkt, lässt er sich in vielen Fällen mit Operationen oder anderen Therapien gut behandeln. Problematisch wird es allerdings, wenn Tumorzellen zu streuen beginnen und Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, entstehen. Ein Großteil der mit Krebs verbundenen Sterblichkeit ist auf seine Tendenz zur Metastasierung zurückzuführen. Der genaue Zeitpunkt, an dem eine Zelle auf Wanderschaft geht, ist ob der vielen Millionen von Zellteilungen für gewöhnlich nicht auszumachen. Ein US-Forscherteam hat nun eine Technik entwickelt, mit der die Abstammungslinie einer Tumorzelle verfolgt werden kann und damit genau jener Zeitpunkt eruierbar wird, an dem die Reise in andere Regionen des Körpers ihren Ursprung genommen hat. Die Wissenschafter berichten darüber im Fachblatt "Science".

Im Labor konnten die Forscher um Jonathan Weissman vom Whitehead Institute eine Art Stammbaum abbilden, der Metastasierung einer Zelle zeigt. Diese Abstammungslinie der Zelle lässt sich bis zum Ursprung verfolgen, wodurch sich auch ermitteln lässt, wann eine Tumorzelle begonnen hat, ihre Nachkommen in anderen Regionen des Körpers zu schicken. Mit dieser Methode können Fragen wie "Wie häufig metastasiert dieser Tumor? Woher kommen die Metastasen? Wohin gehen sie?" beantwortet werden, betont Weissman. "Indem Sie die Geschichte des Tumors in vivo verfolgen können, zeigen Sie Unterschiede in der Biologie des Tumors, die ansonsten unsichtbar wären."

Crispr-Technologie

Um die Abstammungslinien von Krebszellen zu verfolgen, haben Forscher in der Vergangenheit gemeinsame Mutationen und andere Variationen ihrer DNA-Blaupausen miteinander verglichen. Diese Methoden hängen allerdings bis zu einem gewissen Grad davon ab, dass genügend natürlich vorkommende Mutationen oder andere Marker vorhanden sind, um die Beziehungen zwischen Zellen genau darzustellen. In ihrer aktuellen Arbeiten nahm das Forscherteam die Crispr-Technologie zu Hilfe, um die Verfolgung zu erleichtern. So konnten sie Metastasen-assoziierte Gene identifizieren. Diese Möglichkeit könnte Forschern helfen, Fragen zu beantworten, wie sich Tumore entwickeln und anpassen. "Wir glauben, dass es auf viele verschiedene Probleme in der Krebsbiologie angewendet werden kann", so Weissman.