Jerusalem/Wien. Die rasche Einführung von Covid-19-Impfungen in Israel hat zur größten realen Studie der Vakzine von Biontech/Pfizer geführt. Die Ergebnisse scheinen vielversprechend. So gab es in der ersten vollständig geimpften Gruppe von Mitte Jänner bis zum 6. Februar einen Rückgang der Neuerkrankungen um 53 Prozent, erklärte Eran Segal, Datenwissenschafter am Weizmann-Institut in Rehovot gegenüber Reuters. Bei den Krankenhauseinweisungen kam es demnach zu einem Rückgang um 39 Prozent und bei den schweren Erkrankungen um 31 Prozent.

3,5 Millionen Geimpfte

Mehr als die Hälfte der berechtigten Israelis - etwa 3,5 Millionen Menschen - wurde inzwischen ganz oder teilweise geimpft. Pfizer überwacht wöchentlich den israelischen Rollout auf Erkenntnisse, die weltweit genutzt werden können. In zwei Wochen soll dann noch mehr bekannt sein. Nämlich dann, wenn Teams die Wirksamkeit des Impfstoffes in jüngeren Gruppen sowie Zielgruppen wie Menschen mit Diabetes, Krebs und schwangeren Frauen analysieren. Deren Patientenbasis ist mindestens zehnmal größer als in klinischen Studien.

Frage der Herdenimmunität

Als kleines Land mit einer universellen Gesundheitsversorgung, fortschrittlichen Datensammlungen und dem Willen einer raschen Einführung der Impfung bot Israel die einmalige Gelegenheit, die tatsächlichen Auswirkungen der BionTech-Vakzine zu untersuchen.

Das Unternehmen sagte jedoch, es sei weiterhin "schwierig, den genauen Zeitpunkt vorherzusagen, an dem sich der Herdenschutz zu manifestieren beginnt", da viele Variablen im Spiel sind - darunter die Maßnahmen zum Social Distancing und die Anzahl der jeweils neu verursachten Infektionen. Und sogar Israel hat, obwohl Vorreiter der globalen Impfkampagne, die Erwartungen gesenkt, aufgrund der steigenden Fälle schnell aus der Pandemie herauszukommen. Auch die sich schnell ausbreitende britische Variante bereitet dort Schwierigkeiten. Die Pfizer-Vakzine dürfte dagegen aber wirksam sein. "Wir haben bisher die gleiche Wirksamkeit von 90 bis 95 Prozent gegen den britischen Stamm festgestellt", betonte Hezi Levi, Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums. Es sei aber zu früh, etwas über die südafrikanische Variante zu sagen.

Experten zuversichtlich

Israelische Experten sind zuversichtlich, dass die Impfstoffe und nicht die umfangreichen Lockdown-Maßnahmen die Zahlen gesenkt haben. Da 80 Prozent der Senioren bereits teilweise oder sogar vollständig geimpft sind, werde sich bereits in dieser Woche ein vollständigeres Bild ergeben, heißt es.(gral/reuters)