Der Teilchenphysiker Christof Gattringer von der Universität Graz wurde Mittwoch Abend vom Aufsichtsrat des Wissenschaftsfonds FWF zum neuen Präsidenten der heimischen Förderstelle für Grundlagenforschung gewählt. Nachdem der Biologe und Gewässerökologe Klement Tockner Anfang 2021 frühzeitig zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main wechselte, war die Position überraschend neu zu besetzen. Christof Gattringer ist nicht nur Wissenschafter, sondern bekleidete seit 2015 auch das Amt des Dekans der naturwissenschaftlichen Fakultät.

Wissenschaftliche Heimat des 1966 in Wien geborenen Forschers ist die Physik, genauer die Quantenphysik. "In meiner Arbeit geht es um Elementarteilchen wie die Quarks, die kleinsten Bausteine, aus denen unsere Welt zusammengesetzt ist", skizziert Gattringer in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds. Ihm geht es unter anderem darum, der Quantenwelt mit Hilfe von Supercomputern Schritt für Schritt näher zu kommen.

Gruppe statt Einzelkämpfer

Seine Forschungen führten den Wissenschafter auch an die University of Washington in Seattle, an die University of British Columbia in Vancouver und an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, bevor es ihn wieder zurück nach Europa verschlug. Nach fünf Jahren an der Universität Regensburg kam er an die Universität Graz, wo er schließlich im Jahr 2005 eine Professur für Computational Elementary Particle Physics übernommen hatte.

Dort blieb er nicht allein nur Forscher. Gattringer gestaltete auch die Rahmenbedingungen im Wissenschaftsbetrieb an seiner Universität mit und wurde 2015 schließlich vom Vizedekan zum Dekan. Er war auch als Sprecher des FWF-Doktoratskollegs für Teilchenphysik tätig.

"Die Qualität der Ausbildung steigt massiv, wenn man die Dissertantinnen und Dissertanten nicht zu Einzelkämpfern macht, sondern sie zu einer Gruppe schmiedet", betont der Forscher und Vater von vier Kindern. "Sich um junge Forschende zu kümmern, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die eine Professur mit sich bringt."

2019 war es mit der Position als Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung noch einen Schritt weiter in das wissenschaftliche Management gegangen, ohne allerdings die Forschung selbst zu vernachlässigen. Seine Publikationsliste weist ihn als Autor von mehr als 180 Arbeiten aus. Als Vizerektor für alle Wissenschaftsdisziplinen zuständig zu sein, war für ihn eine erfüllende Aufgabe: "Zu sehen, wie unterschiedliche Wissenskulturen - von der Mathematik bis zu den Life-Sciences - arbeiten und welche unterschiedlichen Bedürfnisse sie haben, war für mich eine interessante Erfahrung, die das Verständnis der Mechanismen hinter der Grundlagenforschung erweitert hat", erklärt Gattringer.

Kooperation und Vernetzung

Die Vernetzung der Wissenschaften über die Universitäten hinaus ist dem Forscher ein besonders wichtiges Anliegen - bis hin auf europäische Ebene. "Kooperation und Vernetzung sind wesentliche Aspekte moderner Forschungsarbeit - sie fördern Kreativität und Effizienz", erklärt der künftige FWF-Präsident. Christof Gattringer wurde am Mittwoch nach einem Hearing eines Dreiervorschlags vom Aufsichtsrat gewählt. Er setzte sich gegen die Astrophysikerin Sabine Schindler von der Uni Innsbruck und die Umweltwissenschafterin Miranda Schreurs von der Hochschule für Politik München durch.

Sein Amt übernimmt er ab April. Die Funktionsperiode des neuen Präsidenten läuft bis September 2024. Eine einmalige Wiederwahl für weitere vier Jahre ist möglich.

"Mit Christof Gattringer steht ein international anerkannter Spitzenwissenschafter an der Spitze des FWF, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als ehemaliger Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät aber auch große Erfahrung im Wissenschaftsmanagement mitbringt", gratulierte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann dem neu gewählten Präsidenten.(gral)