Die Ergebnisse der zweiten Antikörper-Studie in Ischgl, durchgeführt von der Medizinischen Universität Innsbruck, liegen vor: 90 Prozent der Personen, die bereits im März 2020 bei der ersten Studie Antikörper hatten, sind auch noch acht Monate nach einer Erkrankung an Covid-19 gegen Sars-CoV-2 immun.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die Immunität sogar ein Jahr lang anhalten könnte. Österreich, so eine Schlussfolgerung, könnte also bereits bei einer vergleichsweise niedrigen Durchimpfungsrate von "40 bis 45 Prozent" zu einem "normalen Alltag" mit nur leichten Einschränkungen zurückkehren, wie die Virologin Dorothee von Laer bei der Präsentation der Studie im Hörsaal der Meduni Innsbruck erläuterte.

Wegene Borena leitete die Ischgl-Studie. - © Medizinische Universität Innsbruck
Wegene Borena leitete die Ischgl-Studie. - © Medizinische Universität Innsbruck

Eingeschränkter Optimismus

Die sogenannten Problemvarianten machen der baldigen Normalität aber vorerst einen Strich durch die Rechnung oder verlangsamen sie: Die Immunisierung nach einer Erstinfektion mit dem "Wildtyp" des Coronavirus schützt nämlich nicht vor Wiederansteckung durch die Fluchtmutation B.1.351, das ist die Südafrika-Variante, und auf diese gehen die Wiederansteckungen in Tirol zurück.

Von Laer sieht dennoch Anlass zu Optimismus, auch wenn dieser nun ein "Optimismus mit Komplikationen" sei, wie sie formulierte. Aber: "Sobald Impfstoffe an Varianten angepasst werden können, wird man sie wie bei den Grippeimpfungen jeweils im Herbst an neue Varianten anpassen." Einstweilen müsse man aber alles daran setzen, die Verbreitung der Südafrika-Variante hinauszuzögern, bis möglichst viele Menschen gegen Covid-19 geimpft sind. Das bedeutet, dass die Maßnahmen, insbesondere das Tragen von Masken und Social Distancing fortgesetzt werden müssen.

Einer der Gründe für den Optimismus der Wissenschafterin ist neben der Anpassbarkeit der Impfstoffe und der anhaltenden Immunität auch eine Erkenntnis zu den T-Zellen, die die Studie hervorgebracht hat: T-Zellen, die als "Killerzellen", eine bestimmte Untergruppe der T-Zellen, eine wichtige Rolle für die Immunität bei Sars-Cov-2 und anderen Erregern spielen, sind als solche dazu da, infizierte Zellen zu zerstören. Ihre Aktivität trägt offenbar dazu bei, dass schwere Verläufe von Covid-19-Erkrankungen verhindert werden können.

Und: Die T-Zellen leisten ihre Arbeit besonders zuverlässig, so von Laer. Diese spezifischen Immunzellen zerstören infizierte Körperzellen. Man spricht auch von einer zellulären Immunantwort nach einer Infektion mit einem Erreger. Es könne sein, so von Laer, dass auch noch Immunität besteht, wenn bei einem Test keine Antikörper mehr nachweisbar sind. Die Immunantwort ist jedenfalls auch dann noch gegeben, wenn sich die Konzentration der Antikörper nach einer Erkrankung bereits verringert hat.

Das ist bedeutsam, wenn es darum geht, die langfristigen Folgen einer Covid-19-Erkrankung zu mildern: "Die T-Zellimmunantwort ließ sich auch in Proben mit kaum oder nicht mehr nachweisbarem Antikörpertiter belegen", erläuterte von Laer. Wenn also die Antikörper schwinden, bleiben die T-Zellen aktiv.

Folgestudie erlaubt Vergleich

Insgesamt nahmen 900 Personen aus Ischgl an der nun präsentierten Folgestudie teil, 801 von diesen hatten auch schon im Frühjahr an einer umfangreichen Antikörper-Studie teilgenommen. Die Bereitschaft der Einwohner von Ischgl, bei der Studie mitzumachen, sei sehr groß gewesen, sagte die Studienleiterin Wegene Borena. Durch die beiden Studien könne nun erstmals im Vergleich gezeigt werden, wie lang die Immunität nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 anhalte. Die Immunisierung ist so gut, das ergab ein Vergleich Ischgls mit anderen, ähnlichen, Orten in Tirol, dass Ischgl von der zweiten Corona-Welle so gut wie verschont blieb.

Ein Teil der Proben in dieser Studie wurde einem sogenannten Neutralisationstest unterzogen, um die neutralisierenden Antikörper zu untersuchen, das sind jene, die das Andocken des Virus und sein Eindringen in eine Körperzelle verhindern. "Der Neutralisationstest bestätigte das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen Sars-CoV-2", so die Virologin Wegene Borena. Diese sogenannte Seroprävalenz lag im April 2020 bei 51,4 Prozent und im November 2020 noch immer bei 45,4 Prozent.

Nach einer Erkrankung, das ist die gute Nachricht, hält eine Immunisierung relativ lang an, sodass Impfungen an diesen Rhythmus angepasst werden können. Perspektivisch wird man so auch mit den Varianten in so etwas wie Normalität zurückfinden.