Ein an der Universität Wien mitentwickelter, metallhaltiger Wirkstoffkandidat zeigt in klinischen Studien bei Krebspatienten vielversprechende Resultate. Forscher der Hochschule sowie der Medizinischen Universität Wien konnten nachweisen, dass BOLD-100 an ribosomale Bestandteile in den Tumorzellen bindet, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Aussendung. Der Wirkmechanismus dieser rutheniumhaltigen Metallverbindung ist jedoch noch nicht restlos aufgeklärt.

Neuer Ansatz für die Krebstherapie. - © fotoliaxrender - stock.adobe.com
Neuer Ansatz für die Krebstherapie. - © fotoliaxrender - stock.adobe.com

Die aktuell im Fachblatt "Angewandte Chemie" veröffentlichte Studie könne dazu dienen, BOLD-100 als tumorhemmenden Wirkstoff gezielter einzusetzen. BOLD-100, ursprünglich als KP1019 (KP1339) vom Chemiker und Mediziner Bernhard Keppler, Leiter des Institutes für Anorganische Chemie der Universität Wien, entwickelt, zeige in den bisherigen klinischen Studien Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit.

Unter anderem bei neuroendokrinen (hormonproduzierenden) Tumoren wurden hier erste positive Resultate gezeigt, hieß es in der Aussendung. Vereinfacht gesprochen sei BOLD-100 ein kleines Molekül, das über das Protein Albumin zielgerichtet in die Tumorzelle transportiert und dort selektiv aktiviert wird, was den Tod der Krebszellen nach sich zieht.

Gezielter Einsatz erst möglich, wenn Mechanismen geklärt sind

"In vorklinischen Studien hatte BOLD-100 eine gute tumorhemmende Wirkung bei Tumorarten, die nur in geringem Maße auf platinhaltige Wirkstoffe ansprechen", erläuterten die Hauptautoren Samuel Meier-Menches und Christopher Gerner vom Institut für Analytische Chemie, die mit Kollegen von der Universität Wien und der MedUni Wien den molekularen Wirkmechanismus von BOLD-100 untersuchten.

"Man weiß auch bereits, dass der Wirkstoffkandidat im endoplasmatischen Retikulum - also in einer Untereinheit der Zelle, die unter anderem für den Lipid-Anabolismus und die Eiweiß-Reifung verantwortlich ist - Stress auslöst. Doch der detaillierte Wirkmechanismus, vor allem in Bezug auf potenzielle Zielmoleküle, an die der Wirkstoff andocken und damit bestimmte Effekte zur Tumorbekämpfung auslösen kann, war bisher noch ungeklärt", so die Forscher.

Die Wissenschafter zeigten nun, dass BOLD-100 ribosomale Bestandteile der Krebszelle stört und dies mit Stress im endoplasmatischen Retikulum in Verbindung gebracht werden kann. "Weitere Untersuchungen offenbarten zudem potenzielle Proteinbindungspartner von BOLD-100, spezifisch die ribosomalen Proteine RPL10 und RPL24. Dies wurde schlussendlich mit bildgebenden Verfahren bestätigt", sagte Erstautor Benjamin Neuditschko von der Fakultät für Chemie. "Ein umfassendes Verständnis in Bezug auf Wirkmechanismen ermöglicht den gezielten Einsatz von Wirkstoffen", betonten die Forscher. (apa)