Die Donau-Universität Krems hat nun die Ergebnisse der so genannten "Wachau-Studie" veröffentlicht. "Aus Sicht der Studienorganisatoren ist es eine realistische Einschätzung, dass 25 bis 29 Prozent der Einwohner Weißenkirchens bereits mit dem SARS-CoV2 in Kontakt gekommen sind (Stand: 13. Februar 2021). Dies wären 350 bis 400 Personen."

Details zur Studie

Am 20. Juni 2020 begann die Studie der Danube Private University Krems (DPU) zur Ermittlung der Infektionszahlen und der Immunität der Bevölkerung in der Marktgemeinde Weißenkirchen (Wachau-Studie). In Kooperation mit dem Roten Kreuz Krems, dem Förderverein der Wehrkirche Weißenkirchen und der Marktgemeinde wurden bis einschließlich 13. Februar 2021 insgesamt vier Antikörper-und T-Zell-Screenings in der Marktgemeinde durchgeführt.

Von 1.403 Einwohnern mit Hauptwohnsitz nahmen 824 an der Studie teil (58,7 Prozent). Zudem nahmen 463 ehemals infizierte Niederösterreicher an der Studie teil. Den Teilnehmern wurde mehrmals Blut aus der Vene abgenommen, die Blutproben wurden im Labor mit Hilfe eines semiquantitativen Verfahrens der Firma Euroimmun auf Kurz- und Langzeitantikörper untersucht (IgA und IgG). Hinsichtlich der Langzeitantikörper wurde zudem eine quantitative Analyse vorgenommen. Ehemals infizierte Probanden wurden zudem auf die sog. Hintergrundimmunität untersucht. Die Blutabnahme am 20. Juni 2020 eignete sich, um die Auswirkungen der ersten Infektionswelle im Frühjahr 2020 zu untersuchen, die Blutabnahme im Februar 2021 zielte insbesondere auf die Auswirkungen der zweiten Welle ab, der durch den zweiten harten Lockdown Einhalt geboten werden konnte. Die vier Blutabnahmen in Kombination eigneten sich, um Aussagen zur Lebensdauer von Antikörpern nach Infektion treffen zu können und zu untersuchen, ob nach einer Infektion eine Hintergrundimmunität gegeben ist.

Das Infektionsgeschehen in Weißenkirchen (Prävalenz):

Die erste Welle der Pandemie traf die Marktgemeinde überraschend und hart. Ein Anwohner verstarb, drei weitere mussten auf Intensivstationen teils wochenlang beatmet werden. Insgesamt wurden in dieser Zeit 17 Personen mittels PCR-Verfahren positiv getestet und behördlich abgesondert. Dies entspricht einem Anteil von 1,22 Prozent der Einwohner. Aus diesem Grund wurde die Marktgemeinde als Hotspot bezeichnet. Die Dunkelziffer lag jedoch wesentlich höher: Durch die erste Blutabnahme im Juni 2020 konnte die DPU ermitteln, dass bis zu 12,2 Prozent der Einwohner Weißenkirchens mit dem Corona-Virus (SARS-CoV2) in Kontakt gekommen sein könnten. Von diesen 12,2 Prozent hatten 8,13 Prozent solide IgG-Werte. 4,07 Prozent hatten "nur" überhöhte IgA-Werte (Kurzzeitantikörper), deshalb kann es hier sein, dass es sich um eine frühe Immunreaktion aufgrund einer "frischen" Infektion oder aber auch um eine unspezifische Reaktion handelt. Diese 4,07 Prozent hatten also zum Zeitpunkt der Blutabnahme möglicherweise eine sich in Entwicklung befindliche Immunreaktion bzw. Infektion, dies ist aber nicht gesichert. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei diesen Werten tatsächlich verstärkt um Immunreaktionen im frühen Stadium handelt, da der harte Lockdown seit einiger Zeit beendet war, das Leben wieder an Normalität gewann, der Sommer genossen wurde und die zweite Welle dann zum Ende des Sommers in den Blick und bereits zu Beginn des Herbstes außer Kontrolle geriet.

Im Februar 2021 waren bereits 89 Einwohner der Marktgemeinde mittels PCR-Verfahren positiv getestet und behördlich abgesondert worden. Dies allein sind 6,34 Prozent der Einwohner. Weitere Todesfälle oder Patienten auf der Intensivstation gab es gegenüber dem Stand Juni 2020 nach Kenntnis der Studienorganisatoren nicht. Trotz erhöhtem Testaufkommen – u. a. der Anwendung von Antigen-Schnelltests – gab es eine deutliche Dunkelziffer. Denn auf Basis der Februar-Testung der DPU könnten 29,06 Prozent der Einwohner Weißenkirchens mit dem Virus in Kontakt gekommen sein. Von diesen hatten 23,35 Prozent solide IgG-Werte. 5,71 Prozent hatten "lediglich" überhöhte IgA-Werte. Anders als im Juni deutete sich im Februar nicht eine weitere Welle an, sondern wurde gerade durch Maßnahmen eine Welle in den Griff bekommen.

"Aus Sicht der Studienorganisatoren ist es eine realistische Einschätzung, dass 25 bis 29 Prozent der Einwohner Weißenkirchens bereits mit dem SARS-CoV2 in Kontakt gekommen sind (Stand: 13. Februar 2021). Dies wären 350 bis 400 Personen." (Robert Wagner, DPU)

Die registrierten Infektionszahlen (pos. PCR-Test) lagen in Weißenkirchen am 13. Februar 2021 über dem Durchschnitt im Bezirk Krems: Bei 56.562 Einwohnern im Bezirk, gab es mit Stichtag 13. Februar 2021 2.298 registrierte Infizierte (30 Verstorbene). Dies ist eine Infektionsrate von 4,06 Prozent. Geht man von einer ähnlich hohen Dunkelziffer wie in Weißenkirchen vorliegend aus, so käme man auf eine Bezirksdurchseuchungsrate von rund 15 Prozent (18,61 Prozent bei Berücksichtigung der isolierten IgA-Werte). In Niederösterreich gab es mit Stand 13. Februar 2021 66.789 positive Testergebnisse (3,96 Prozent). Bei vergleichbarer Dunkelziffer käme man auf 14,59 Prozent als landesweite Durchseuchungsrate (18,15 Prozent bei Berücksichtigung der IgA-Werte).

"Haltbarkeit" von Antikörpern (Persistenz)

Im Übrigen hatten 76 Prozent derjenigen Weißenkirchner Einwohner, die im Juni 2020 positiv auf SARS-CoV2-Antikörper (positiv bei IgA und IgG) getestet worden sind, auch im Februar 2021 noch sehr solide Antikörper-Werte. Dies im Abstand von 8 Monaten. Diejenigen, bei denen im Februar 2021 keine Antikörper mehr nachgewiesen werden konnten, hatte allesamt symptomlose Krankheitsverläufe und gaben im Juni 2020 auf dem Fragebogen an, nicht mit SARS-CoV2 infiziert worden zu sein. Die Antikörperwerte waren bereits im Juni relativ niedrig (im Oktober wurde bei ihnen allen noch Antikörper nachgewiesen). Diejenigen, bei denen im Februar erneut Antikörper nachgewiesen werden konnten, konnten entweder auf dem Fragebogen im Juni 2020 nicht angeben ob bzw. wann sie infiziert waren oder gaben Zeiträume zwischen Februar und April 2020 an. Auf Grundlage der Auswertung der Daten der Weißenkirchner Kohorte kann daher in den überwiegenden Fällen auf eine Antikörper-"Haltbarkeit" von 8 bis 11 Monaten geschlossen werden.

Hinsichtlich der niederösterreichischen Kohorte hatten 87,5 Prozent der nachweislich im März 2020 infizierten Probanden noch im Februar 2021 signifikante IgG-Werte. Antikörper waren somit bei dieser Gruppe noch nach 11 Monaten nachweisbar. Fasst man diejenigen, die entweder im März oder im April 2020 nachweislich infiziert waren, zusammen, so kommt man auf 86,78 Prozent, die noch IgG-Werte hatten (Langzeitantikörper). Hierbei werden die Antikörper-Werte derjenigen Personen schneller nicht mehr nachweisbar, deren Infektionen weniger intensiv waren und die von Beginn an über "weniger" Antikörper verfügten.

"Da auch im Rahmen von Impfungen Antikörper im Blut der Geimpften gebildet werden, diese Antikörperwerte wahrscheinlich denen intensiverer Infektionen entsprechen, ist davon auszugehen, dass die ansteckungsbedingte Durchseuchungsrate und die Impfrate gemeinsam zu einer Herdenimmunität führen werden. Vermutlich liegen wir in Österreich jenseits von 25 Prozent" (Univ.-Prof. Dr. Dr. Dennis Ladage, DPU).