Boehringer-Ingelheim baut den Standort Wien weiter aus. Gegen Jahresende geht eine neue Produktionsanlage in Betrieb, für die mit allem Drumherum 800 Millionen Euro investiert wurden. Aber das bedeutet keinen Schlussstrich: "Wir werden in die Krebsforschung weiter investieren. Wir haben da ganz konkrete Projekte, die im Laufen sind", sagte Generaldirektor Philipp von Lattorff. "Über mehrere Jahre werden wir da bis zu einer Milliarde investieren".

Das Programm läuft unter dem Titel "Horizon 2030", die gleiche Bezeichnung verwendet auch die EU für ihre Forschungsförderung. Dabei werde nicht nur in entsprechende Mitarbeiter sondern auch in "Hardware", also Anlagen investiert werden. "Die Aktivitäten werden weitergehen, in Wien wird weiter investiert", so von Lattorff.

Forschung und Entwicklung

Sein Unternehmen investiere jährlich 200 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung und sei damit das forschungsintensivste Pharmaunternehmen in Österreich. In Wien werde aber nicht nur die ganze Bandbreite von Grundlagenforschung und klinischer Forschung bis zur angewandten Forschung sondern auch Produktion und Vertrieb abgedeckt. Dieser "Kreislauf" sei für die Entwicklung des Unternehmens sehr wichtig.

Der österreichische Markt wachse langsam aber in einer guten Balance zwischen Innovativen Medikamenten und Generika. Man müsse sich im Klaren sein, dass der österreichische - wie zum Beispiel auch der Schweizer - Markt saturiert ist, je nach Auslaufen von Patenten gebe es ein Wachstum von 3 bis 5 Prozent. 2020 gab es in Österreich ein Plus von 3,5 Prozent auf 115 Mio. Euro. Hauptsächlich durch die Rekrutierung für die biopharmazeutische Produktionsanlage in Wien wuchs die Beschäftigung stark - in Österreich um 15 Prozent von 2.097 auf 2.411, in der ganzen betreuten Region um 9 Prozent von 3.780 auf 4.119 Menschen.

Das gesamte Regional Center Vienna (RCV), das für den zweitgrößten deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim das Geschäft in 33 Ländern bearbeitet, hat die Erlöse 2020 um 6,4 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro gesteigert. Der Löwenanteil des Umsatzes des RCV entfällt auf die Humanmedizin (953 Mio. Euro), der Rest auf Tiermedizin (134,9 Mio. Euro), die aber mit 12 Prozent deutlich stärker gewachsen ist als die Humanmedizin (plus 5,6 Prozent).

Zu Beginn der Pandemie habe es einen massiven Anstieg der Nachfrage gegeben, sagte von Lattorff. Im März 2020 etwa habe es Hamster-Bestellungen gegeben. Zugleich seien immer wieder Lkw an den Grenzen im Stau gestanden. Dann sei die Nachfrage aber sehr schnell wieder gesunken und habe sich bis September wieder ausgeglichen. Durch "sehr zurückhaltende" Auslieferungen im März und die ständige Hinterfragung, wo es überhaupt akuten Bedarf gibt, habe man aber Lieferengpässe weitgehend vermeiden können.

Bei den von Wien betreuten Ländern "kommt nichts dazu, aber es wird auch nichts weggenommen", so von Lattorff. Auch Länder, die zwischenzeitlich innerhalb des Konzerns anderen Bereichen zugeordnet wurde, seien rasch wieder nach Wien "zurückgekommen".

Wien ist für Boehringer Ingelheim Hauptzentrum für Krebsforschung sowie Standort für biopharmazeutische Forschung, Entwicklung und Produktion. In der Grundlagenforschung ist das "Schwesterinstitut" IMP (Institut für Molekulare Pathologie Wien) aktiv. Außerdem wurde die 2018 übernommene Innsbrucker Biotechnologie-Firma ViraTherapeutics inzwischen als weiteres "Schwesterinstitut" gut integriert. Das Büro sei ausgebaut, das Personal von 20 auf fast 30 Personen aufgestockt worden, die Administration werde aus Wien gemacht, bei der Forschung arbeite ViraTherapeutics teils mit Wien teils mit Einheiten in Deutschland zusammen.

Ganz grundsätzlich habe Boehringer Ingelheim einen eigenen Investmentfonds, der in Start-ups "kleinere Millionenbeträge" investiere und nach zwei bis drei Finanzierungsrunden diese Beteiligungen entweder verkaufe oder die Firmen zur Gänze übernehme.(apa)