Eigentlich fehlen bereits etwas mehr als 61 Millionen Euro für Forschungsprojekte, die von internationalen Gutachtern zwar als "exzellent" beurteilt wurden, die aber nicht umgesetzt werden können, weil die Finanzierung für sie fehlt. 243,6 Millionen Euro konnte der FWF im vergangenen Jahr für insgesamt 700 Forschungsprojekte mit 4.343 Wissenschaftlern vergeben. Acht Millionen Euro flossen in die im März auf die Beine gestellte Akutförderung für die Erforschung von Sars-CoV-2. Damit wurde unter anderem die Sequenzierungsarbeit von Andreas Bergthaler, Virologe am CeMM, ermöglicht. Ab 2021 wird es 43 Millionen Euro mehr vom Wissenschaftsministerium geben. Das macht den kommenden Wegfall der Nationalstiftung in Höhe von 40 Millionen Euro gerade einmal wett. In Zukunft wird es mehr Projekte gegeben, die aus Geldmangel nicht finanziert werden können, fürchtet der FWF.

FWF-Präsident Christoph Gattringer und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann bei der Bilanz des FWF: "Ihre Sorgen sind meine Sorgen", sagt der Wissenschaftsminister zu dem Präsidenten des Wissenschaftsfonds. - © apa / Herbert Neubauer
FWF-Präsident Christoph Gattringer und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann bei der Bilanz des FWF: "Ihre Sorgen sind meine Sorgen", sagt der Wissenschaftsminister zu dem Präsidenten des Wissenschaftsfonds. - © apa / Herbert Neubauer

Die Jahresbilanz des Wissenschaftsfonds FWF, das ist in Österreich die Einrichtung, die wissenschaftliche Grundlagenforschung fördert, fiel am Dienstag entsprechend verhalten aus und konnte doch mit einer Sensation aufwarten: Im Juni startet eine Exzellenzinitiative, die gezielt die Spitzenforschung in Österreich ausbauen soll.

Großprojekte im Fokus

Schon im Herbst 2021 soll es die ersten "Exzellenzcluster" geben. 150 Millionen Euro werden es - zunächst für drei Jahre - für "vier bis sechs" Zusammenschlüsse von Forschungseinrichtungen sein, die in den Clustern gemeinsam frei forschen können. Welche Großprojekte das sein werden, sollen die Antragsteller vorschlagen. Das Ziel, so Wissenschaftsminister Heinz Faßmann: Österreich soll zur internationalen Spitzenklasse der Forschung aufschließen. Österreichische Forschungsstätten sollen exzellente, internationale Forscher anlocken. Sabine Seidler, Rektorin der Technischen Universität Wien und als Präsidentin der Universitätenkonferenz Uniko die Stimme der Universitäten, sagte es so: "Aus dem Brain Drain muss Brain Circulation werden." Österreich will sich nicht in Exzellenz abkapseln, sondern eine aktive Rolle in der internationalen Wissenschaft spielen. Neben den Exzellenzclustern sind "Emerging Fields" eine weitere neue Förderschiene für Zukunftsfragen. Die "Austria Chairs of Excellence" wiederum stellen den Universitäten Geld zur Verfügung, um Professuren mit international führenden Forschern besetzen zu können.

"In Österreich denkt man oft zu sehr klein-klein", sagt Rudolf Grimm. Grimm ist Quantenphysiker an der Universität Innsbruck und hat soeben einen ERC Advanced Grant erhalten. Die Grants sind die höchstdotierte Forschungsförderung der EU und neben den Förderungen des FWF und den Mitteln der Universitäten eine der wichtigsten Geldquellen, die der Grundlagenforschung in Österreich zur Verfügung stehen. Der Physiker kämpft mit Platzproblemen: "Wir bräuchten dringend ein neues Gebäude für die Physik", sagt er. "Es ist schön, wenn man einen ERC Grant erhält, wenn man aber nicht weiß, wohin mit den Laboren, blockiert das auch." Grimm wird mit den 2,5 Millionen Euro des Advanced Grant die Mechanismen erforschen, hinter der Suprafluidität stehen, ein quantenphysikalisches Phänomen, das unter anderem einen Stromtransport ohne Reibungsverluste ermöglicht. Grimms Forschung ist strikte Grundlagenforschung. Ob die Erkenntnisse irgendwann verwertbar sind, ist gänzlich offen. "Es geht darum, das Wissen zu erweitern. Es geht nicht darum, mit vorhandenem Wissen etwas Neues zu bauen." Grimms Forschung braucht daher eine langfristige Perspektive: "Wenn ich einen echten Durchbruch erzielen will, arbeite ich unter Umständen allein an der Versuchsapparatur bereits fünf Jahre." Aus den fünf Jahren werden dann auch acht oder zehn Jahre, bis in der Physik tatsächlich neues Wissen in der Welt ist. Selbst diese zehn Jahre sind in den Geisteswissenschaften ein Wimpernschlag. Komplexe Wörterbuch-Projekte können auch mehrere Jahrzehnte dauern.

Dass die lange Dauer nicht nur etwas für den Elfenbeinturm ist, zeigte zuletzt die Impfstoffentwicklung, die auf jahrzehntelange Forschung zurückgeht. Und auf inhaltliche Vielfalt. Wie viel Verengung ungewollt bereits in die Exzellenzcluster eingebaut ist, weil sie möglicherweise auf Kosten zahlreicher anderer Forschungsprojekte gehen, die sich nicht im Exzellenzcluster wiederfinden, muss sich weisen. Christoph Gattringer, Präsident des FWF, sprach mit Blick auf den vierzigprozentigen Anteil, den die Universitäten übernehmen müssen, davon, dass deren Initiative auch "belohnt" werden soll.