Am Anfang gab es ein Lob: Die Bundesregierung habe in der Pandemie richtig erkannt, dass Forschung und Entwicklung die Faktoren seien, die einer Gesellschaft helfen, Krisen zu bewältigen, und auch im Recovery Plan der Europäischen Union seien "Zukunftsfelder" mit Projekten besetzt worden, die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs beitragen werden, sagte Sabine Herlitschka, stellvertretende Vorsitzende des Rats für Forschung und Technologieentwicklung anlässlich der Präsentation des Berichts zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2021 am Donnerstag in Wien Und dennoch: Es besteht "Optimierungsbedarf in fast allen Bereichen". Maßnahmen wie die FTI Strategie 2030 und der FTI Pakt, reichten nicht aus, um Länder wie Dänemark, Schweden oder die Schweiz einzuholen.

Datenschwächen

Die in Strategie und Pakt skizzierten Maßnahmen seien ohnedies "dringlich" gewesen, in der Covid-Krise umso mehr, so Herlitschka, die auch Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria ist.

Der Leistungsbericht wird seit 2012 erstellt und jährlich tauchen ähnliche Problemfelder auf: Österreichische Forschung ist international zu wenig verflochten, sie mündet zu selten in Innovationen und Unternehmensgründungen, schon im primären und sekundären Bildungssektor herrschen keine guten Bedingungen für den Forschungsnachwuchs, noch immer wurde keine Gleichstellung der Geschlechter erreicht und wichtige Themen, wie etwa die Mobilisierung von Forschung für den Klimaschutz, kommen in der FTI Strategie 2030 erst gar nicht vor. Der Bereich Digitalisierung ist eine der größten Schwächen. "Wir haben gesehen, wie Schweden oder Isreal mithilfe von Daten die Krise meistern", sagte Systemforscher und Ratsmitglied Jakob Edler. Die digitale Infrastruktur gehöre ausgebaut und der österreichischen Forschung müsse der Zugang zu Daten erleichtert werden. "Wenn wir das nicht machen, macht das wer anderer, zum Beispiel die Amerikaner", so Edler. Oder die Chinesen: "Technologiesouveränität", über Schlüsseltechnologien autonom zu verfügen, müsse Priorität haben, so der Rat. Nicht im Sinne des Protektionismus, sondern im Sinne europäischer Technologieführerschaft, so Herlitschka. Exzellente Grundlagenforschung solle entsprechend mehr gefördert werden, außerdem brauche es eine neue Industriepolitik: "Der Wettbewerb wird über Technologie entschieden", so Herlitschka. Die gegenwärtige Situation sei auch eine Chance, in dem Sinne, dass die Forschungspolitik ausgerichtet werden könne auf mehr wirtschaftliche Resilienz, Stichwort Lieferketten, aber eben auch auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme wie den Klimawandel. Digitale Technologien seien ein Lösungsweg - für die Umwelt ebenso wie für die Wirtschaft und auch zur Bewältigung der Corona-Krise.

Auch wenn der Forschungsrat gerade im Bereich der Finanzierung von Forschung und Entwicklung Österreich auch in diesem Leistungsbericht ein generell gutes Zeugnis ausstellt, eine Kritik bleibt bestehen: Die mangelnde Prioritätensetzung, die dazu führe, dass die durchaus vorhandenen Mittel wenig effizient eingesetzt werden.

Der Rat befürchtet, dass Unternehmen zukünftig, wenn nämlich nach der Krise weniger Kapital verfügbar sein wird, auch weniger in Forschung investieren werden. Herlitschka mahnte auch deshalb mit Dringlichkeit erneut die Umsetzung des "Fonds Zukunft Österreich" ein. Da nämlich die Gelder der Nationalstiftung - rund 140 Millionen Euro jährlich - seit Anfang 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen, fehlt es schlicht auch Geld für Forschung aus Österreich und damit an sicherer Planung. Die Forschungsquote in Österreich liegt derzeit bei 3,23 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Im letzten Jahr ist der Anteil der Forschung, die durch Unternehmen finanziert wird, gesunken.