Sieben Jahre ist die optimale Dauer für eine Antihormontherapie bei der Behandlung von postmenopausalem Brustkrebs und damit kürzer als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis ist die österreichische Studiengruppe ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) gekommen und setzt damit weltweit neue Standards in der Brustkrebs-Therapie. Österreichweit hatten rund 75 Zentren und knapp 3.500 Frauen an der Studie teilgenommen. Das Ergebnis zeige, dass "eine optimale Therapie dem Grundsatz ,So viel als nötig, so wenig als möglich‘ folgen sollte", betonte Michael Gnant von der Medizinischen Universität Wien, Studieninitiator und Präsident der ABCSG, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz.

Brustkrebs ist die weltweit häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Ende 2020 gab es 7,8 Millionen Betroffene. In Österreich kommen jährlich rund 5.500 neue Patientinnen hinzu. Die größte Gruppe, nämlich 70 Prozent der Fälle, stellen dabei eine Krebsart dar, die vor allem Frauen nach der Menopause betrifft. Beim sogenannten hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom galten in der Forschung bis dato bis zu zehn Jahre endokriner Therapie als durchaus üblich. Nun ist klar: "Sieben Jahre sind die optimale Dauer und bringen das beste Behandlungsergebnis", betonte Gnant. Es gebe keinen Grund, die Therapie über diese Zeit hinaus zu verlängern. Im Gegenteil: Das Risiko von "vermeidbaren Nebenwirkungen" drohe.

Vermehrt Knochenbrüche

Hormontherapien haben mitunter nicht unbeträchtliche Nebenwirkungen. Viele davon fallen in den Bereich von Wechselbeschwerden wie Hitzewallungen oder Libidoverlust, erklärte der Mediziner. Wesentlicher Punkt sei allerdings die Verstärkung von Osteoporose. Damit einher geht ein verstärktes Auftreten von Knochenbrüchen.

In der Phase III-Studie ABCSG 16/S.A.L.S.A. erhielten postmenopausale Patientinnen mit frühem hormonrezeptor-positiven Brustkrebs eine zusätzliche zwei- bzw. fünfjährige erweiterte Anastrozol-Therapie mit dem Ziel, deren Wirksamkeit zu überprüfen. Das krankheitsfreie Überleben war dabei der primäre Endpunkt, sekundäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben, die Zeit bis zum Auftreten eines Karzinoms auf der anderen Brust, die Zeit bis zum Auftreten eines zweiten Primärkarzinoms und die Rate der klinischen Knochenbrüche.

"Mit dieser klaren Richtlinie können nun weltweit Millionen Frauen vor vermeidbaren Nebenwirkungen geschützt werden", erklärte Christian Singer, Leiter des Brustgesundheitszentrums des AKH Wien. "Eine drei Jahre kürzere Dauer kann viel Leid wegnehmen."

Lange Nachbeobachtung

Das Besondere an der Studie sei vor allem die lange Nachbeobachtungszeit der Patientinnen von 118 Monaten, nahezu zehn Jahren, betonte Gnant. "Dadurch hatten wir die Möglichkeit, die optimale Behandlungsdauer neu zu definieren." Die Ergebnisse gelten nur für Patientinnen mit geringem und mittlerem Risiko, schränkte der Experte ein.

Marija Balic von der Medizinischen Universität Graz sieht in dem Studienergebnis einen wichtigen Meilenstein für die Behandlung dieser Frauen, der über die Grenzen hinaus von Bedeutung ist. Damit habe Österreich einmal mehr einen neuen Trend gesetzt. Schon Jahre zuvor war der Fokus weg von der Chemotherapie hin zur Antihormontherapie federführend aus Österreich gerichtet worden. Die am Donnerstag im "New England Journal of Medicine" publizierte Studie wurde von 2004 bis 2017 durchgeführt und endete im Juni 2020.

Seit mehr als 30 Jahren führt Österreichs größte Studiengruppe ABCSG unabhängig klinische Studien zum Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie zum Pankreaskrebs durch. Die Ergebnisse finden weltweit große wissenschaftliche Anerkennung und haben maßgeblich dazu beigetragen, die Heilungs- und Überlebenschancen der Patienten zu verbessern. Bisher haben mehr als 29.000 Frauen und Männer an klinischen Studien der ABCSG teilgenommen.