Der Kernsatz fiel fast versteckt: Visionen seien freies Denken, sagte Nationalbibliotheks-Chefin Johanna Rachinger auf der Pressekonferenz zur "Vision 2035", ihre Realisierung stünde auf einem anderen Blatt. Konkretes Beispiel: Das in der "Vision 2025" angestrebte Vorhaben, bevorzugt digitale Bücher zu sammeln, habe man aufgegeben, die Widerstände gegen das Zurückdrängen von Büchern auf Papier wären zu groß gewesen.

So ist auch die "Vision 2035" zu verstehen: Rachinger und ihre Mitarbeiter wissen, in welche Gewässer sie die Nationalbibliothek segeln wollen, die Ankunft im dortigen Hafen freilich ist ungewiss. Zumal bei Forschen und Lernen der Weg mehr zählt als das Ziel.

Sicher ist, dass die Nationalbibliothek immer mehr Wissen für die Welt von morgen immer genauer aufbereiten und dabei gesellschaftliche und umweltbedingte Veränderungen miteinbeziehen wird: Jeder soll jederzeit Zugang zu den Beständen haben, digital und vor Ort wird der Abbau von Barrieren aller Art großgeschrieben: Kulturelle und ethnische Hintergründe etwa gilt es zunehmend zu respektieren.

Visionen für die Zukunft der Nationalbibliothek: Johanna Rachinger. - © apa / Georg Hochmuth
Visionen für die Zukunft der Nationalbibliothek: Johanna Rachinger. - © apa / Georg Hochmuth

Sammeln, bewahren, dokumentieren, vermitteln, forschen bleiben die Säulen. Verbesserte Digitalisate mit neuen Schwerpunkten bei Noten, Papyri und Bildern sind angestrebt. Eine Teaching Library wird sich, auch in Online-Schulungen, mit Fake News und Fake Science befassen. Aktuelle digitale Trends sollen mit den Beständen verknüpft werden. Ein spannendes Vorhaben sind virtuelle Ausstellungen mit spezifischen Communities. Nicht zu übersehen ist die Vernetzung mit internationalen Bibliotheken und Forschungseinrichtungen. Die Forschung soll mit den Beständen unterstützt werden und über die Bestände erfolgen. Dazu werden die Datenservices mit computergestützten Abfragen perfektioniert und eine Infrastruktur für digitale Editionen wird geschaffen.

Eine möglichst breite Öffentlichkeit soll am Transkribieren von Handschriften teilnehmen (nicht jeder kann alles entziffern) und bei der Identifizierung von Fotos mithelfen.

Die Nationalbibliothek, so Rachinger abschließend, wird sich damit auch 2035 als realer und virtueller Treffpunkt von Menschen positionieren, die mehr wissen wollen.(eb)