Genf/München. Immunzellen gehorchen dem Takt der inneren biologischen Uhr: Die Aktivierung des Immunsystems ist laut neuen Forschungsergebnissen in der späten Ruhephase am ausgeprägtesten - bei nachtaktiven Mäusen am Nachmittag, bei Menschen am frühen Morgen, hat sich in Tierversuchen und in Experimenten mit menschlichen Zellkulturen herausgestellt.

Die Aktivität sogenannter dendritischer Zellen, die entartete oder fremde Zellen aufspüren und den Killerzellen des Immunsystems präsentieren, ist während Ruhephasen am höchsten. Das erworbene Immunsystem richtet sich anders als das angeborene Immunsystem gezielt gegen einen bestimmten Erreger. Dazu wandern dendritische Zellen in die Lymphknoten, wo sie die körpereigene Abwehr über den Eindringling informieren. Dieser Prozess ist tageszeitabhängig und gehorcht einem 24-Stunden-Rhythmus, berichtete ein Forschungsteam der Universität Genf und der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fachmagazin "Nature Immunology".

Alarmbereitschaft

"Wir haben zahlreiche Moleküle, insbesondere Chemokine, identifiziert, die am Wanderungsprozess beteiligt sind und deren Expression durch die innere Uhr reguliert wird", sagte Studienleiter Christoph Scheiermann von der Universität Genf in einer Mitteilung der Hochschule. Chemokine sind zelluläre Botenstoffe, die für das Immunsystem eine zentrale Rolle spielen. Ob dieser tageszeitliche Rhythmus das Immunsystem in Alarmbereitschaft halte, wenn das Infektionsrisiko steigt, ist noch nicht abschließend beantwortet.