Alljährlich 140 Millionen Euro stellt die Bundesregierung aus einem neu geschaffenen Fördertopf für Wissenschaft und Forschung zur Verfügung. Wissenschaftsminister Heinz Faßmann strebt mit dem Fonds Zukunft Österreich, der vorerst von 2022 bis 2025 budgetiert ist, "systemische Verbesserungen von Forschungsstrukturen" an, sagte er am Dienstag vor Journalisten.

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Gemäß dem in der Vorwoche vorgestellten Bundesbudget soll der Fonds Zukunft Österreich den Ausfall der Mittel der Nationalstiftung zur Förderung von Forschung, Technologie und Entwicklung (FTE) kompensieren. Zum Hintergrund: 2003 wurde die FTE-Nationalstiftung ins Leben gerufen und jährlich mit Mitteln der Oesterreichischen Nationalbank und aus Zinserträgen des ERP-Fonds dotiert. Diese Sonderdotierung von jährlich 100 Millionen Euro ist ebenso wie die Mittel des Österreich-Fonds, der sich aus der Lohnsteuer speiste und jährlich rund 33 Millionen Euro ausmachte, Ende des Vorjahres ausgelaufen. Die Mittel waren über Förderagenturen des Bundes vergeben worden, und zwar unabhängig von den alljährlichen Basisbudgets des Bundes.

Somit standen heuer insgesamt 140 Millionen Euro der Forschung nicht mehr zur Verfügung. Der Fonds Zukunft Österreich knüpft an diesen Betrag an, speist sich jedoch ausschließlich aus Bundesmitteln. "Es wird ein eigenes Gesetz geben, wonach die Nationalstiftung im Fonds aufgeht", so Faßmann. Verwaltet werde der Fonds, zumal kein Aktienfonds, von der Austria Wirtschaftservice GmbH (aws). "Wir haben mit dem Forschungsförderungsgesetz die wesentlichen Forschungsförderer und -träger definiert und zugleich festgehalten, dass diese nicht kürzbare Budgets für dreijährige Perioden erhalten und autonom agieren", erklärte Faßmann: "Wenn aber innerhalb dieser Zeit neue Themen aufkommen, müsste man ohne die Mittel aus dem Fonds bis zu einer neuen Leistungsvereinbarung warten."

"Gezielte Maßnahmen"

Der Wissenschaftsminister sieht im Fonds Zukunft Österreich auch ein "zusätzliches strategisches Instrument für gezielte Fördermaßnahmen im Sinne der Forschungsstrategie". Als Grundlagen für die Mittelvergabe nannte er die Finanzierung von "weniger, aber dafür größeren Initiativen" und von "Initiativen mit größtmöglichem Potenzial für österreichische Themenführerschaft", wobei er Wert auf "Themenoffenheit" legte, sagte Faßmann.

"Wenn wir gezielt Klimawandel, Energie oder Gesundheitsforschung setzten, kommen wir in ein Spannungsverhältnis mit dem größten Forschungsprogramm der Welt, Horizon Europe", betonte er. Als sinnvoll erachte er hingegen "Maßnahmen zur systemischen Verbesserung unserer Forschungslandschaft im Sinne von Exzellenz und Wirksamkeit. Wir haben viele kleine Ansätze, aber keine große Antwort darauf. Man könnte mehr und insbesondere Größeres machen."

Was konkret gefördert wird, will der Minister mit der Scientific Community, den Förderagenturen und dem Forschungsrat diskutieren - und zwar bis zu einem Forschungsgipfel im ersten Quartal 2022. Faßmann machte aber klar, dass seine Präferenz bei "systemischen Verbesserungen von Forschungsstrukturen" liegen werde, und nicht bei einer zusätzlichen Finanzierung von Themen oder Forschungsfeldern: "Damit würden wir mehr erreichen als zum fünften Mal Klimaforschung mit einigen Millionen zu fördern. Stimulierungsmittel könne er sich etwa für Mikrodatenzentrum für empirische, quantitative Forschung vorstellen, oder die Ausweitung kooperativer Doktoratsprogramme des Wissenschaftsfonds FWF auf Unternehmen oder Austauschprogramme, die über Europa hinausgehen.

Zuletzt hatte unter anderen der Wissenschaftsfonds FWF einen "substanziellen Teil" seines Budgets aus der Nationalstiftung erhalten. FWF-Präsident Christof Gattringer zeigte sich auch im Namen anderer Forschungsförderer als "sehr froh" über die Nachfolgekonstruktion, mit der die Lücke geschlossen werden könne. Wegen des Ausfalls der Nationalstiftung musste der FWF zwischenzeitlich Förderschienen aussetzen oder reduzieren. Für Gattringer ist in jedem Fall aber der themenoffene Zugang wichtig, wiewohl Maßnahmen zur Systemverbesserung zu begrüßen seien.(est)