Seit mittlerweile zwei Jahren ist die Wissenschaftsberichterstattung aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil - mit den Themen Corona-Pandemie und Klimawandel hat sie breiten Einzug erfahren und durchwandert mittlerweile die gesamten Redaktionsstuben in allen Ressorts. Und dennoch gelte es, an Stellschrauben zu drehen beziehungsweise gar einen Neustart zu initiieren, um den Wissensvermittler maßgeblich aufzuwerten, so der Tenor Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion, die der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zu seinem 50-jährigen Bestehen veranstaltete. "Wir sind nicht mehr die Cheerleader der Forschung", nahm der "Standard"-Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer in seiner Keynote Bezug auf eine frühere Denkweise. Wissenschafsjournalismus leistet einen wesentlich Beitrag zur Aufklärung und letztlich auch zum Verständnis politischer Entscheidungen.

Seit dem Jahr 1971 widmet sich der derzeit von der "Wiener Zeitung"-Wissenschaftsredakteurin Eva Stanzl geleitete Klub der "Förderung der Qualität und Quantität der öffentlichen Kommunikation von Bildung und Wissenschaft, mit besonderem Augenmerk auf unabhängigen, ausgewogenen und vorurteilsfreien Bildung- und Wissenschaftsjournalismus". Seit damals setzt er sich auch für die Idee, das Vorhandensein einer Wissenschaftsredaktion mit angestellten Wissenschaftsjournalisten zum Förderkriterium für die Presseförderung zu machen, ein. In dieser Thematik habe man bisher allerdings "auf Granit gebissen", räumte Eva Stanzl ein.

Qualitätssicherung fehlt

"Wissenschaftskommunikation ist maßgeblich für unser Land", betonte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann. Er vermisse allerdings eine gewisse Qualitätssicherung wie es sie etwa mit den Peer-Review-Verfahren für Forschungsarbeiten gibt. Jeder könne sagen, was er will, "aber was dabei herauskommt, ist oft grässlich", so der Minister.

Anhand einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage zeigte Taschwer auf, dass die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte Früchte tragen könnte. Die Daten von rund 37.000 Befragten zeigen, dass die österreichische Bevölkerung nur wenig Vertrauen, Ahnung und Interesse an Wissenschaft zu haben scheint. Daran habe sich in den vergangenen Jahren auch nichts geändert. Taschwer bringt diese Einstellung mit der hierzulande vorherrschenden niedrigen Covid-Impfrate in Verbindung.

Faßmann zeigte sich über den stabilen "Skeptizismus" in Österreich erstaunt. Deswegen kann er auch einer breiten Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft der Wissenschaftsvermittlung beschäftigt, viel abgewinnen. Das Problem sei "vieldimensional", so Taschwer, deshalb brauche es viele Akteure, die den Wissenschaftsjournalismus auf neue Beine stellen.

Einen Eindruck aus Deutschland lieferte der per Videostream zugeschaltete deutsche Wissenschaftsjournalist Volker Stollorz. Als Geschäftsführer des Science Media Center in Köln gestaltet er die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus mit. Es habe etwa geholfen, die Wissenschaftskommunikation als selbstvermittelnd vom Wissenschaftsjournalismus zu trennen. Schon die begriffliche Trennung "hat dazu geführt, dass beide Rollen gestärkt wurden". Es brauche auch in Österreich neue Formate und Ideen. So gelte es etwa auch, "die Desinformationsagenten" herauszufiltern, sprach er die gerade in Covid-Zeiten um sich greifende Fake-News-Ansammlung an.

Die Ö1-Wissenschaftsredakteurin Elke Ziegler hat für ihr Engagement, im Verlauf der Covid-Pandemie "darzustellen, was die wissenschaftliche Evidenz zu einem Zeitpunkt ist", zuletzt den üblicherweise Politikredakteuren vorbehaltenen Robert-Hocher-Preis erhalten. Trotz all des Einsatzes stellt auch sie bei der Diskussion fest, dass die Wissenschaftsressorts in Medien Unterstützung brauchen.

Grundverständnis lehren

Gerade im Verlauf der letzten zwei Jahre habe sie auch festgestellt, "dass innerhalb der Bevölkerung wissenschaftliches Grundwissen und Grundverständnis fehlt". Trotz der Bemühungen an den Schulen sei nicht genug passiert. Im Gegenteil. So wurden gar aufgrund von Personalmangel an Schulen etwa fachfremde Pädagogen für naturwissenschaftliche Fächer eingesetzt. Man müsse sich überlegen, wie man eine Gesellschaft diesbezüglich von unten herauf aufbauen kann. "Das kann nicht erst im Gymnasium beginnen." Dann würde sich auch der Zusammenhang von Bildung und Impfbereitschaft mehr auswirken.

Verändert sich nichts, sei womöglich der Wissenschaftsskepsis in Österreich ein ähnlich langes Leben beschert wie etwa den Folgen des Klimawandels, so Ziegler.

Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zählt derzeit 150 Mitglieder. Seit 1994 wählen sie auch den "Wissenschafter des Jahres". Diese Auszeichnung erfolgt vor allem für das Bemühen von Wissenschaftern, ihre Forschungsarbeiten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und verständlich zu machen. Aktuell macht sich der Klub für eine Presseförderung stark, die an das Vorhandensein einer Wissenschaftsredaktion geknüpft sein soll.