Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten will mit seiner Forderung nach gezielter Medienförderung den Kampf gegen "Fake News" aufnehmen. Die am Montag an den Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna verliehene Auszeichnung zum "Wissenschafter des Jahres 2021" setzt ein Zeichen in diese Richtung. Der Big-Data-Experte vermittelt der Öffentlichkeit Forschungsergebnisse "kompakt und verständlich", beschreibt der Klubvorstand. Der Stellenwert professioneller Wissenschaftskommunikation sei gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie ein besonderer. Die Vermittlung wissenschaftlicher Fakten zeichne sich durch eine fundierte, ausgewogene Berichterstattung aus.

Wissenschaftsfeindlich

Das Thema Corona ist allbeherrschend. Es greife in einer Tiefe und Komplexität in den Alltag der Menschen ein, wie es andere Themen der Wissenschaftsberichterstattung bisher kaum getan haben. Zudem herrsche in Österreich laut einer jüngsten "Eurobarometer"-Umfrage ein überdurchschnittlich wissenschaftsfeindliches Klima. Mit der Unterstützung namhafter Forscher will sich der Klub unter der Leitung der "Wiener Zeitung"-Wissenschaftsredakteurin Eva Stanzl nun starkmachen, um den Stellenwert des Bildungs- und Wissenschaftsjournalismus auch im Rahmen der geplanten Neuordnung der Medienförderung zu heben.

"Die Stärke von seriösem Wissenschaftsjournalismus ist es, Fakten von Meinung zu trennen und politische Standpunkte zu hinterfragen. Dadruch ermöglicht er Bürgern informierte Entscheidungen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen ,Fake News‘", so Eva Stanzl. Zuvor hatte die stellvertretende Forschungsratsvorsitzende, Helga Nowotny, für eine "übergreifende, koordinierte und nachhaltige Strategie zur Wissenschaftskommunikation" plädiert.

Auch Preisträger Peter Klimek bekräftigt die Forderung: "Wir müssen mit Evidenz ein Gegengewicht zu alternativen Fakten und bloßem Hörensagen schaffen. Hinter der Wissenschaft steckt ein Prozess mit Stärken und Schwächen, der allerdings der beste Prozess ist, den wir haben, und der uns als Menschheit extrem viel gebracht hat."

Das betonen auch weitere Preisträger der letzten Jahre: "Die Covid-19-Pandemie hat unter anderem eines gezeigt: Auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation ist in Österreich großer Handlungs- und Nachholbedarf. Sie ist mehr Kunst als Wissenschaft und erfordert intensives Nachdenken und Timing, wie man komplexe Tatsachen aus der Forschung verschiedensten Bevölkerungsgruppen gut aufbereiten und klar verständlich präsentieren kann", meint etwa Alternsforscher und Preisträger des Jahres 1994 Georg Wick.

Weg vom Nischenthema

Oft werde der Bereich heute noch immer als Nischenthema behandelt. Dabei werde übersehen, dass dieses Wissen längst zentral für die Gesellschaft geworden ist, betont die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter (2013). Wissenschaftliche Bildung sei für eine moderne Gesellschaft unerlässlich, so der Theologe Ulrich Körtner (2001) in einem Statement.

Der Wissenschaftsjournalismus muss "Unsicherheiten nehmen" (Chemiker Nuno Maulide, 2018) und "die wissenschaftliche Diskussion für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu übersetzen" (Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, 2005).

Wesentlich sei, "das Vertrauen der Gesellschaft zu erreichen und zu pflegen", betont Prionen-Forscher Herbert Budka (1998). Dabei komme es "nicht auf Fakten an, sondern auf Versuche, Aspekte der Welt zu verstehen und aus diesen Versuchen Nützliches - wie immer dies zu verstehen sei - zu gewinnen", erklärt der Mathematiker Rudolf Taschner (2004). Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten kürte den "Wissenschafter des Jahres" heuer bereits zum 28. Mal.(gral)