Graz. Unser Körper ist von einer unvorstellbar hohen Anzahl von Mikroorganismen besiedelt. Zu diesem Mikrobiom zählen auch die Archaeen, früher auch "Urbakterien" genannt. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Medizinuniversität Graz hat nun eine Bestandsaufnahme dieser einzelligen Organismen im Darm geliefert. Sie sind demnach weitaus vielfältiger als bisher bekannt und weisen unabhängig äußerer Faktoren bei den meisten Menschen eine Kernzusammensetzung aus etwa der gleichen Art auf, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Microbiology".

Ein Archeon. - © wikipedia.org
Ein Archeon. - © wikipedia.org

Das Zusammenspiel der Mikroorganismen ist hochkomplex. Wird das feine Gleichgewicht des Mikrobioms gestört, können Erreger leichter die Oberhand gewinnen. Forschende untersuchen daher seit Jahren die Interaktionen von Mikroorganismen mit ihren Wirtslebewesen und ihre Beteiligung an zentralen Lebensprozessen.

Die Forscher haben einen Katalog aus mehr als 1.000 Archaeengenomen vorgelegt. Unter anderem wurden drei Gattungen, 15 Arten und 52 Stämme neu identifiziert. Zudem wurden mehr als 28.000 Proteincluster untersucht. "Unsere Arbeit erweitert unser Verständnis des menschlichen Archaeoms und bietet einen großen Genomkatalog für zukünftige Analysen, um seine Auswirkungen auf die menschliche Physiologie zu entschlüsseln", so die Autoren rund um Ruth Schmitz-Streit von der Christian-Albrecht-Uni in Kiel und Christine Moissl-Eichinger aus Graz.

Die Identifizierung der gesamten Vielfalt der Archaeen steht erst am Anfang. Um künftig auch funktionelle Aspekte des Archaeoms untersuchen zu können, seien auch neue Analysemethoden erforderlich.