Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Hochschulen den Ausbau der englischsprachigen Studiengebote - insbesondere auf Bachelor-Ebene und in Informatik, Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie Gesundheitsberufen. Gleichzeitig solle aber auch gezielt die Mehrsprachigkeit der Studierenden durch mehr kostenlose Deutschkurse gefördert werden, damit internationale Studierende nach ihrem Abschluss auch in Österreich bleiben, heißt es in einer Dienstag veröffentlichten Stellungnahme.

Eine effektive Internationalisierung dürfe sich daher nicht auf eine Anglisierung des Studienangebots beschränken. "Die Englischkenntnisse Studierender deutschsprachiger Studiengänge sollen ebenso gefördert werden wie die Deutschkenntnisse jener Studierenden in englischsprachigen Studiengängen", so der Rat. So könnte etwa mit neuen Formen der Kombination von Kurssprachen experimentiert werden, um interkulturelle Fähigkeiten und Mehrsprachigkeit sowohl der heimischen wie internationalen Studierenden zu fördern. "Es könnten z.B. Kurse anfänglich in Gruppen getrennt angeboten werden, um einerseits die Englischkenntnisse der österreichischen Studierenden zu fördern und andererseits nicht deutschsprachige Studierende langsam an einen gemeinsamen Unterricht auf Deutsch hinzuführen, indem das Kernwissen des Kurses auf Englisch vermittelt wird."

Da Studentinnen und Studenten in englischsprachigen Bachelor-Studiengängen mindestens drei Jahre in Österreich verbringen, steigt damit auch ihre Chance, sich erfolgreich zu integrieren. Je besser sie Deutsch können, desto eher würden sie anschließend einer fachspezifischen Tätigkeit nachgehen können, so der Rat. Fokussiert werden sollen die englischsprachigen Angebote daher vor allem auf Informations- und Kommunikationstechnologien, Ingenieurwissenschaften, Architektur, Naturwissenschaften und Betreuungsberufe im Gesundheitswesen.

Außerdem schlägt der Rat vor, auch die bestehenden englischsprachigen Studiengänge zu evaluieren. Neben Sprachkenntnissen solle nämlich auch die Aneignung interkultureller Fähigkeiten gefördert werden: "Hierzu gehört die Etablierung einer Willkommenskultur der Inklusion und des Respekts, wie auch der richtige Umgang mit kulturellen Unterschieden."

Ähnlich sollte auch beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal vorgegangen werden. "Deutsch und Englisch sollten in der internen Kommunikation vermehrt in Kombination zum Einsatz kommen, insbesondere bei Arbeitsverträgen des internationalen Hochschulpersonals", meint der Wissenschaftsrat. Die Anforderung mancher österreichischer Hochschulen an internationale Professorinnen und Professoren nicht-deutscher Muttersprache, innerhalb weniger Jahre nach der Berufung auf Deutsch zu unterrichten, sollte daher zu einer "erstrebenswerten Empfehlung" umgewandelt werden.

Den bei diversen Studien ausgewiesenen hohen Internationalisierungsgrad der österreichischen Hochschulen betrachtet der Wissenschaftsrat mit einem gewissen Vorbehalt. Bei genauerer Betrachtung handle es sich dabei zugleich um eine "Regionalisierung", da Deutsche den Großteil der "internationalen" Studierenden und Lehrenden ausmachen. (apa)