Wissenschafter gehen davon aus, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens mindestens 10.000 bis 100.000 Schad- und Fremdstoffen ausgesetzt ist, die vor allem über die Nahrung, aber auch über Wasser und Luft aufgenommen werden. Der Einfluss dieser externen Faktoren, die die Gesundheit maßgeblich beeinflussen können, wird nun im Rahmen der "Exposome Austria Forschungsinfrastruktur" untersucht, die Teil einer europäischen Forschungsinitiative ist, teilte die Uni Wien mit.

Ziel der sogenannten "Exposomforschung" ist es, nicht-genetische, externe Einflüsse wie Umwelt-Schadstoffe, Lebensmittelinhaltsstoffe, Medikamente und Weichmacher sowie toxische Effekte, die sich aus der Kombination dieser Fremdstoffe ergeben, umfassend zu beschreiben. Dieses Ziel hat sich auch die Ende vergangenen Jahres gestartete europäische Großforschungsinfrastruktur EIRENE (Environmental Exposure Assessment in Europe) zum Ziel gesetzt, an der rund 50 Forschungseinrichtungen aus 17 Ländern beteiligt sind.

Weltweit größte Förderschiene in diesem Bereich

Über 20 Jahre fließen rund 200 Miillionen Euro in das Projekt, der Großteil der Finanzierung kommt dabei von den Mitgliedsländern und Partnerinstitutionen, erklärte Benedikt Warth vom Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie der Universität Wien, der die nationalen Beiträge zu dem Projekt koordiniert. Ihm zufolge handelt es sich damit um die weltweit größte Förderschiene in diesem Bereich.

Österreich beteiligt sich mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums an dieser europäischen Forschungsinitiative und bündelt seine Beiträge im Projekt "Exposome Austria". Beteiligt sind u.a. die Universität Wien, die Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck sowie das Umweltbundesamt.

Einsatz von neuen bioinformatischen Verfahren

Im Rahmen von "Exposome Austria" wollen die Forscher Daten über die Exposition gegenüber Fremdstoffen in bisher unbekannter Dimension sammeln und neue Ansätze für ihre Auswertung entwickeln. Insbesondere sollen Schadstoffe, denen Kinder bereits im Mutterleib oder während der ersten Lebensjahre ausgesetzt sind, und ihre möglichen Auswirkungen im späteren Leben systematisch untersucht werden. Dabei helfen hochauflösende Analysemethoden wie die Massenspektrometrie und neue bioinformatische Verfahren zum Umgang mit Big Data.

"Auch bisher unbekannte kombinatorische Effekte, die beim Zusammentreffen von verschiedenen Fremdstoffen wie Medikamenten oder Lebensmittelverunreinigungen im Körper auftreten können, werden durch die neu entwickelten Technologien greifbar", erklärte Warth in einer Aussendung. Beispiele für solche "Cocktail-Effekte" sind etwa die Industriechemikalie Bisphenol A und das Pflanzenöstrogen Genistein, die beide mit dem menschlichen Hormonsystem, sowie mit Krebstherapien in Wechselwirkung stehen können. Langfristig wollen die Forscher dazu beitragen, dass die Belastung der wirklich kritischen Einflüsse minimiert wird, und so personalisierte Prävention und die Verminderung chronischer Krankheiten unterstützt werden. (apa)