Anhand von Zellproben von Gebärmutterhalsabstrichen können Innsbrucker Forscher nicht nur das Risiko für Eierstockkrebs, sondern auch für Brustkrebs abschätzen. Das Team um den Onkologen Martin Widschwendter von der Uni Innsbruck stellt seine neue Methode zur Prävention beziehungsweise Früherkennung der Erkrankungen in zwei Arbeiten im Fachblatt "Nature Communications" vor. Für ihren sogenannten WID (Women’s cancer risk IDentification)-Test nutzen sie den epigenetischen "Fußabdruck" bestimmter Zellen.

"Die große Vision ist, das zu erreichen, was für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits erreicht worden ist", sagt Widschwendter. So sollen bei Frauen die häufigsten Krebsarten möglichst frühzeitig erkannt werden. Das Unterfangen ist nicht einfach, denn in der Onkologie spielen etwa sehr komplexe genetische Faktoren, aber auch ebenso komplexe Umwelteinflüsse und der Lebensstil eine Rolle. Eierstock- und Brustkrebs sowie Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkarzinome machen knapp über 50 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen unter 60 Jahren aus.

Risikoabschätzung

Die Einflüsse darauf, wie Zellen und Zellgruppen im Körper arbeiten und sich reproduzieren, sind über die gesamte Lebenszeit vielfältig, hinterlassen aber "Fußabdrücke" im Erbgut der Zellen. Diesen sind die Forscher auf der Spur. Ihren Fokus richten sie auf die sogenannte DNA-Methylierung, anhand derer sich genetische und auch nicht-genetische Einflussfaktoren erfassen lassen. Das passiert mit dem WID-Test. Mit ihm können nicht nur Erkrankte identifiziert, sondern auch Risikoabschätzungen für alle vier Krebstypen vorgenommen werden. Die neuen Daten würden zeigen, "dass wir wirklich auch Frauen identifizieren können lange bevor sie die Diagnose bekommen", so der Forscher.