Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wählt am Freitag (18. März) einen neuen Präsidenten. Für die Nachfolge von Anton Zeilinger an der Spitze der Gelehrtengesellschaft kandidieren Ex-Bildungsminister und Geograph Heinz Faßmann, der frühere Generaldirektor des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien und Geochemiker Christian Köberl sowie der Kulturwissenschafter Michael Rössner. Ursprünglich war die Wahl für Ende März angesetzt.

Ende Juni geht für den Quantenphysiker Anton Zeilinger die zweite und damit letzte Amtszeit als ÖAW-Präsident zu Ende. Der 76-jährige Experimentalphysiker steht seit 2013 an der Spitze der größten außeruniversitären Forschungseinrichtung des Landes. Für die Vorbereitung der Wahl wurde eine aus Akademie-Mitgliedern zusammengesetzte Findungskommission eingerichtet, die vom Biochemiker und ehemaligen Wissenschaftsminister Hans Tuppy geleitet wurde. Alle der rund 180 wirklichen Mitglieder der ÖAW sind aktiv und passiv wahlberechtigt.

Vorschlag der Findungskommission

Die drei nun zur Wahl stehenden Kandidaten wurden der Findungskommission von ÖAW-Mitgliedern vorgeschlagen und präsentierten sich und ihr Konzept bei einer Sitzung der Gesamtakademie Ende Jänner. Es handelt sich dabei um:

Heinz Faßmann, Geograph und Ex-Bildungsminister. 
- © apa / Georg Hochmuth

Heinz Faßmann, Geograph und Ex-Bildungsminister.

- © apa / Georg Hochmuth

- Der Geograph Heinz Faßmann (66) ist seit dem Jahr 2000 Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW. Er war - parteilos, aber von der ÖVP nominiert - mit einer mehrmonatigen Unterbrechung von Ende 2017 bis Ende 2021 Bildungs- und Wissenschaftsminister. Zuvor war Faßmann seit 2000 Professor für Angewandte Geographie, Raumforschung und Raumordnung an der Universität Wien, wo er von 2015 bis 2017 auch Vizerektor war. Seine Funktion als Direktor am Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW hat er für die Amtszeit als Minister ruhend gestellt.

Der Geochemiker Christian Köberl war von 2010 bis 2020 Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Naturhistorischen Museums Wien. 
- © apa / Georg Hochmuth

Der Geochemiker Christian Köberl war von 2010 bis 2020 Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Naturhistorischen Museums Wien.

- © apa / Georg Hochmuth

- Der Geochemiker Christian Köberl (63) ist seit 2006 Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der ÖAW, wo er auch Obmann der Kommission für Geowissenschaften und stellvertretender Obmann der Kommission für Astronomie ist. Der Spezialist für Meteoritenkrater war von 2010 bis 2020 Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Naturhistorischen Museums Wien. An der Universität Wien wurde er 2008 zum Professor für Impaktforschung und planetare Geologie berufen.

- Der Romanist Michael Rössner (68) ist seit 2009 Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW. Er leitet das Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der ÖAW. Die Forschungsschwerpunkte des Experten für Werke des italienischen Dramatikers Luigi Pirandello liegen im Bereich Renaissance- und Barockliteratur sowie der Literatur der Avantgarde und des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Romanist Michael Rössner ist Übersetzer und Herausgeber einer Literaturgeschichte Lateinamerikas. 
- © apa / ÖAW / Elia Zilberberg

Der Romanist Michael Rössner ist Übersetzer und Herausgeber einer Literaturgeschichte Lateinamerikas.

- © apa / ÖAW / Elia Zilberberg

Die Modalitäten der Wahl

Zusätzlich zu den wirklichen Mitgliedern sind in der Gesamtsitzung auch 16 durch Wahl bestimmte korrespondierende Mitglieder im Inland und 16 Mitglieder der Jungen Akademie aktiv wahlberechtigt. Der neue Präsident bzw. die neue Präsidentin muss von der Gesamtsitzung mit absoluter Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt werden. Der Amtsantritt des neuen ÖAW-Präsidiums ist Anfang Juli, die Amtsdauer beträgt fünf Jahre.

175-Jahr-Jubiläum der ÖAW

Die 1847 gegründete Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) - sie feiert heuer ihr 175-jähriges Bestehen - ist eine Gelehrtengesellschaft und zugleich die größte grundlagenorientierte, außeruniversitäre Forschungsinstitution in Österreich. Als Gelehrtengesellschaft ist sie in die philosophisch-historische Klasse und die mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse geteilt.

Es gibt verschiedene Arten von Mitgliedern: 90 inländische, wirkliche Mitglieder mit vollen Rechten, die sich jeweils zur Hälfte auf die beiden Klassen aufteilen. Weiters gibt es in den zwei Klassen jeweils 125 korrespondierende Mitglieder. 55 davon kommen aus dem In- und 70 aus dem Ausland. Über-70-jährige wirkliche und korrespondierende Mitglieder werden bei voller Wahrung ihrer Rechte in die Höchstzahlen nicht eingerechnet. Zudem wurde 2008 aufgrund des hohen Durchschnittsalters der ÖAW-Mitglieder für Nachwuchswissenschafter eine "Junge Akademie" geschaffen. In Summe kommt die ÖAW damit auf über 700 Mitglieder.

Die ÖAW betreibt 25 Institute

Als Forschungsträger betreibt die Akademie 25 Forschungsinstitute, darunter bekannte Einrichtungen wie das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI), das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) oder das Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM).

Die ÖAW beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter, schließt dreijährige Leistungsvereinbarungen mit dem Bund ab und bekommt dafür aktuell ein Budget von insgesamt 428,5 Millionen Euro (2021 bis 2023). (apa)