Einen deutlichen Zuwachs an Förderzusagen konnte die Forschungsförderungsgesellschaft FFG im vergangenen Jahr verbuchen: Nach 572 Millionen Euro im Jahr 2020 gingen 2021 insgesamt 738 Millionen Euro an angewandte Forschungsprojekte, wie es am Mittwoch in der Bilanzpressekonferenz hieß. Im aktuellen Jahr steigt das der FFG zur Verfügung stehende, auch in den kommenden Jahren schlagend werdende Gesamtbudget auf ein "All Time High" von mehr als 1,6 Milliarden Euro, so FFG-Chef Klaus Pseiner.

Die auf wirtschaftsnahe Forschung, Innovationen und Technologieentwicklung spezialisierte Förderagentur schüttete in den Jahren 2019 und 2018 jeweils rund 618 Millionen Euro aus Eigenmitteln an Forschungsprojekte aus, im Jahr 2020 verzeichnete man dann einen Rückgang. 2021 lagen die Projektbewilligungen erstmals deutlich über 700 Millionen Euro. Diese Zahl sei "eine Melange" aus Ausschreibungen aus den vergangenen rund drei Jahren, sagte Pseiner. Die Steigerung liege unter anderem an Effekten des letzten Ausschreibungsabschusses des hochdotierten Kompetenzzentren-Programms "Comet" oder in den Auswirkungen des Klimakonjunkturprogramms des Klimaschutzministeriums begründet.

"In allen Kategorien ein Plus"

Insgesamt verzeichnete die FFG zuletzt "in allen Kategorien ein Plus", sagte Geschäftsführerin Henrietta Egerth. Ein solches sehen auch die Finanzierungsvereinbarungen vor, die kürzlich mit den Eigentümerressorts (Wirtschafts- und Klimaschutzministerium) für 2022/23 geschlossen wurden. Für heuer liegt die erwartete Mittelbindung - also das für neue Initiativen und Projekte zur Verfügung stehende Gesamtbudget - bei 1,637 Milliarden Euro. In dieser Größenordnung habe man noch nie investieren können laut Egerth und Pseiner.

Diese Erhöhung ist laut FFG-Angaben unter anderem auf Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds zurückzuführen, die verteilt über die kommenden Jahre etwa in die Umstellung von Bus- und Lkw-Flotten auf emissionsfreie Antriebe oder über das EU-Programm Important Projects of Common European Interest (IPCEI) beziehungsweise in den Breitband-Ausbau fließen sollen. Dazu zählen auch Mittel, die über die neue Forschungsoffensive "Quantum Austria" bis 2026 unter anderem über die FFG ins Forschungssystem kommen sollen.

Die Steigerung würde auch das "klassische F&E-Portfolio stärken", sagte Pseiner. Dort verzeichnete man im vergangenen Jahr ein Plus von rund 40 Prozent bei Anträgen in den Basisprogrammen sowie stark überzeichnete Ausschreibungen. Die Forschungscommunity könne das Portfolio "voll ausschöpfen und sogar noch mehr". Letztlich "schmerzt" es Pseiner weiter, dass 2021 positiv bewertete Projektanträge im Umfang von 292 Millionen Euro nicht bewilligt werden konnten.

Von der Pandemie in "schwierige Wirtschaftssituation"

Diese Zahl sei tatsächlich gegenüber 2020 (234 Millionen Euro) gestiegen, wie Egerth konstatierte. Selbst wenn in den nächsten Jahren dieser Budgetteil ansteige, gehe man davon aus, dass dieser Anteil weiter in etwa in dieser Größenordnung bleibe. Immerhin gehe man "von einer Pandemiekrise in eine schwierige Wirtschaftssituation mit einem Krieg vor der Tür", sagte Egerth, die mit weiter steigenden Anträgen von Firmen rechnet, die sich durch Innovationsprojekte auch einen Teil ihrer Widerstandsfähigkeit sichern könnten. Im Rahmen von jährlichen Befragungen wisse man, dass rund 70 Prozent der Firmen nach einem Erstantrag im Zeitraum von vier Jahre einen weiteren Antrag stellen und Projektbeteiligungen dabei helfen, Beschäftigung in den Unternehmen zu sichern und zu steigern, so Peter Kaufmann von der KMU Forschung Austria.

 

Ohne die für den Breitbandausbau vorgesehenen Gelder (2021: 183 Millionen Euro) wurden im vergangenen Jahr 738 Millionen Euro für 4.977 Forschungsvorhaben in ganz Österreich bewilligt. Davon flossen 247 Millionen Euro an Großunternehmen (2020: 220 Millionen). Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhielten 2021 195 Millionen Euro und damit etwas weniger als die 198 Millionen Euro im Jahr davor. Nachdem die Forschungseinrichtungen und Kompetenzzentren im Jahr 2020 zusammen Fördermittel in der Höhe von 79 Millionen Euro lukrierten, waren es im Jahr darauf 169 Millionen Euro. Der Hochschulsektor konnte im Vorjahr 104 Millionen Euro aus den FFG-Töpfen einwerben (2020: 63 Millionen). Sonstige Einrichtungen erhielten 2021 insgesamt 23 Millionen Euro. In diesen Posten verteilt finden sich auch 78,5 Millionen Euro, die an heimische Start-ups gehen. (apa)