Die Hälfte der Bevölkerung in Österreich glaubt nicht, dass Wissenschaft hierzulande unabhängig von politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme funktioniert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Donauuniversität Krems und der Universität Graz. 43 Prozent sind außerdem der Ansicht, dass gesundheitspolitische Entscheidungen nicht auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden.

Für die Studie wurden im März knapp 2.600 Personen ab 14 Jahren online befragt. Das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Wissenschaft war interessanterweise bei den Jüngsten (bis 24 Jahre) und den Ältesten (über 65 Jahre) am höchsten, während es bei den mittleren Altersgruppen absackte.

Bedenklicher Wert

Studienautorin Christina Hainzl, Co-Leiterin des Projekts Austrian Democracy Lab der Universität für Weiterbildung Krems und der Uni Graz, hielt die Ergebnisse vor Journalisten für einen "bedenklichen Wert": "Wenn die Hälfte der Menschen sagt, wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht unabhängig, ist das in der Folge natürlich auch eine gesellschaftliche Perspektive, die näher zu betrachten ist."

Deutliche Unterschiede gibt es nach Parteipräferenz: Während jeweils rund drei Viertel der Anhänger der Regierungsparteien ÖVP und Grüne an das unabhängige Funktionieren der Wissenschaft glauben, sind es nur knapp zwei Drittel der SPÖ- und NEOS-Sympathisanten und gar nur 28 Prozent der FPÖ-Wähler und weniger als 20 Prozent der MFG-Anhänger.

Zweifel an gesundheitspolitischen Entscheidungen

Nicht übermäßig groß ist auch das Vertrauen der Bevölkerung darauf, dass gesundheitspolitische Entscheidungen evidenzbasiert getroffen werden. Nur 57 Prozent waren der Ansicht, dass in diesem Bereich auf Basis wissenschaftlicher Entscheidungen gehandelt wird. Auch hier gab es hinsichtlich Parteipräferenz ein ähnliches Bild: ÖVP- und Grünwähler waren zu drei Viertel von der Evidenzbasiertheit überzeugt, SPÖ- und NEOS-Anhänger zu zwei Drittel, FPÖ- und MFG-Sympathisanten nur zu 42 bzw. 31 Prozent.

Drei Viertel der Befragten vertrauten immerhin den Ergebnissen der Wissenschaft im Gesundheitsbereich und den medizinischen Studien. "Aber ein Viertel ist skeptisch", meinte Co-Studienautorin Patricia Oberluggauer. Im internationalen Vergleich sei dies ein relativ hoher Anteil an Skeptikerinnen und Skeptikern. Unterschiede gibt es nach Bildungshintergrund. Während knapp 90 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker wissenschaftlichen Ergebnissen vertrauten, waren es bei jenen, die als höchsten Abschluss die Pflichtschule hatten, nur zwei Drittel.

Ein schlechtes Zeugnis gab es für die Entscheidungen der Politik in der Pandemie: Nur 39 Prozent hielten diese für nachvollziehbar - am positivsten bewertet wurden sie von den Jüngsten (bis 24 Jahre) mit 55 Prozent, am negativsten von den 45- bis 64-Jährigen (34 Prozent).

Sehr hoch ist das Vertrauen in Ärzte: 81 Prozent hielten diese für vertrauenswürdig - bei ÖVP-, SPÖ-, Grün- und NEOS-Wählern sind es jeweils mehr als 90 Prozent, umgekehrt ist dies bei FPÖ-Wählern nur zu 56 Prozent der Fall und bei MFG-Wählern nur zu 45 Prozent. Dementsprechend der Rat Hainzls: "Sollten künftig Maßnahmen und Kommunikationsaufgaben im Gesundheitsbereich anfallen, sollte man auf jeden Fall versuchen, Ärzte miteinzubeziehen." (apa)