Drei in den USA tätige österreichische Forscher erhalten die diesjährigen ASciNA-Awards. Der Politikwissenschafter Jürgen Braunstein wird in der Kategorie "Junior Principal Investigator" (10.000 Euro) ausgezeichnet, die Medizinerin Sabine Heitzeneder und der Mathematiker Niclas Technau in der Kategorie "Young Scientist" (je 7.500 Euro). Die Preise werden vom Bildungsministerium und dem Verein ASciNA (Austrian Scientists and Scholars in North America) verliehen.

Die aus Oberösterreich stammende Medizinerin Sabine Heitzeneder (37) arbeitet seit 2016 an der Stanford University an Immuntherapien für Krebsformen des Kindesalters. 
- © Stanford Cancer Institute

Die aus Oberösterreich stammende Medizinerin Sabine Heitzeneder (37) arbeitet seit 2016 an der Stanford University an Immuntherapien für Krebsformen des Kindesalters.

- © Stanford Cancer Institute

Ausgezeichnet werden junge Forscher für im Vorjahr publizierte Arbeiten, die an nordamerikanischen Forschungseinrichtungen entstanden sind. Dabei stehe nicht der Reisepass der Kandidaten im Vordergrund, sondern ihr Bezug zu Österreich, betonte ASciNA-Obmann Dietrich Haubenberger bei einem Pressegespräch Montagabend. Die nach Begutachtung durch den Wissenschaftsfonds FWF vergebenen Preise werden am 22. Juni im Rahmen der Verleihung der Wittgenstein- und Start-Preise in Wien überreicht.

Mobilität und Vernetzung

"Durch die ASciNA-Awards wird der hohe Stellenwert der transatlantischen Mobilität und Vernetzung für die Forschungsgemeinschaft in Österreich und Europa verdeutlicht", erklärte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) in einer Aussendung. Das vor 20 Jahren gegründete Netzwerk österreichischer Forscherinnen und Forscher in Nordamerika ASciNA hat weltweit rund 1.700 Mitglieder.

Jürgen Braunstein (38) wird für sein Buch "Capital Choices" (University of Michigan Press) ausgezeichnet. Darin analysiert er die Gründung von Staatsfonds durch die Politik in verschiedenen Staaten aus einer vergleichenden politik-ökonomischen Perspektive. Obwohl solche Staatsfonds teilweise sehr groß seien, etwa der Norwegische Staatsfonds mit einem Kapital von einer Billion US-Dollar, sei dies ein kritischer, aber wenig verstandener Bereich. Der gebürtige Waldviertler hat vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn Koch und Kellner gelernt. Er absolvierte ein Politikwissenschaftsstudium an der Uni Wien, machte sein PhD an der London School of Economics and Political Science und ist seit 2019 als Fellow an der Harvard University Kennedy School tätig, wo er durch ein Schrödinger-Stipendium des FWF unterstützt wird.

Therapien für Krebs im Kindesalter

Die aus Oberösterreich stammende Medizinerin Sabine Heitzeneder (37) arbeitet seit 2016 an der Stanford University an der Entwicklung zellulärer Immuntherapien für Krebsformen des Kindesalters. Sie sucht tumorspezifische Proteine, die nur auf diesen Kinderkrebsformen präsent sind, aber nicht am normalen Gewebe. Darauf aufbauend entwickelt sie zelluläre Immuntherapien, um gezielt diese Proteine und damit den Tumor anzugreifen. Ihre ausgezeichnete, im Fachjournal "Cancer Cell" veröffentlichte Arbeit beschreibt die Entwicklung einer derartigen Therapie, die gegen das Tumor-Antigen Glypikan-2 eingesetzt wird. Derzeit arbeitet sie an der klinischen Umsetzung ihrer Arbeit, voraussichtlich 2023 soll eine Phase-I-Studie mit ersten Patienten mit Neuroblastom und Medulloblastom starten. Heitzeneder absolvierte ihr Medizinstudium an der MedUni Wien und war anschließend am St. Anna Kinderkrebsforschungs-Zentrum und den National Cancer Institutes in Bethesda (USA) tätig.

Der gebürtige Deutsche Niclas Technau (29) ist seit 2021 am California Institute of Technology (Caltech) tätig. In seiner preiswürdigen, im Fachjournal "Memoirs of the American Mathematical Society" erschienenen Publikation beschäftigt er sich mit der Näherung von reellen Zahlen, die etwa in den Ingenieurwissenschaften, der Physik und der Mathematik angewandt werden. Solche Näherungen ersetzen reelle Zahlen wie die Zahl Pi durch eine einfachere Zahl, etwa einen Bruch. Nach seinem Mathematik-Studium an der Uni Würzburg absolvierte er sein PhD an der Technischen Universität (TU) Graz und war seither an mehreren Unis in Großbritannien, Israel und - unterstützt durch ein Schrödinger-Stipendium des FWF - in den USA tätig. (apa)