Kosmos hat im heurigen Jahr gleich zwei Jubiläen zu feiern: Erstens wurde der Stuttgarter Bücher- und Spieleverlag vor genau 200 Jahren gegründet. Und zweitens brachte er vor genau 100 Jahren den ersten Experimentierkasten auf den Markt. Es war 1922, da wollte der Schweizer Lehrer Wilhelm Fröhlich seinen Unterricht möglichst anschaulich gestalten und das Wissen, das er seinen Schülern vermitteln sollte, bildlich transportieren, greifbar und verständlich machen. Er wandte sich an den Kosmos Verlag, und gemeinsam entwickelten sie den ersten Experimentierkasten der Welt, und zwar zum Thema Strom. Daraus entstand eine mehr als 40-jährige Zusammenarbeit, in der zahlreiche Experimentierkästen entwickelt wurden.

Bausätze wie "All-Chemist", "Technikus", "Optikus", "Elektromann", "Photomann" oder "Radiomann" waren in den 1930er und 1940er Jahren zunächst vor allem für Schulen gedacht, wurden aber bald auch von Privaten gekauft - zum stolzen Preis von 11,50 Reichsmark, was 1934 umgerechnet rund 50 Euro entsprach. Sie punkteten vor allem mit verlässlichen Anleitungen und wurden schon bald in die ganze Welt exportiert. Bei der Weltausstellung 1937 in Paris heimste Kosmos damit sogar eine Goldmedaille ein. Die Experimentierkästen bildeten auch die Basis für viele wissenschaftliche Karrieren, etwa jene des Chemienobelpreisträgers Manfred Eigen oder des Fernsehtechnikpioniers Walter Bruch.

Von Kindern getestet

- © Kosmos
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Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Bandbreite immer größer und umfasst heute nicht nur die klassischen Bereiche Biologie, Chemie und Physik, sondern auch Elektronik, Programmieren, erneuerbare Energien oder Robotik (www.kosmos.de/experimentierkaesten). Die Zielgruppe reicht dabei von Kindergartenkindern bis zu Erwachsenen. Dementsprechend ist einer der jüngsten Bestseller die Cyborg-Hand (Bild), die im Jahr 2020 auf den Markt gekommen ist: ein Exoskelett, dessen Finger mittels Wasserdruck präzise gesteuert werden.

Gut 30 neue Experimentierkästen pro Jahr erscheinen inzwischen bei Kosmos, Tendenz steigend. Die Kindertauglichkeit garantiert dabei bereits der Entwicklungsprozess. Die zuständige Redaktion testet nämlich nicht nur die Funktionalität der Experimente und lässt das Ganze intensiven Sicherheitschecks unterziehen, sondern auch ausgewählte Schulen und Kindergärten bekommen Exemplare für Praxistests. Und die Entwickler haben natürlich auch einen entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund, erklärt man bei Kosmos. Im Redaktionsteam gibt es zum Beispiel studierte Biologinnen und Chemiker, aber auch pädagogisch geschulte Kolleginnen und Kollegen.

In der heutigen Zeit spielt natürlich auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Deshalb wird darauf geachtet, dass die meisten Laborspielstationen und -geräte immer wieder verwendet werden können, zum Beispiel auch mit Chemikalien aus dem Haushalt. "Und unsere elektronischen Bauteile für Einsteiger sind für den ständigen Gebrauch ausgelegt und sehr robust", wird auf Nachfrage betont. Und das Erfolgsrezept, das schon dem allerersten Experimentierkasten 1922 zugrunde lag, wendet der Verlag bis heute an, nämlich das Baukastenprinzip: Wenige einfache Teile ermöglichen eine Vielzahl von Experimenten.