Die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) will künftig jährlich die Wissenschaftsskepsis in Österreich erheben. Zudem wird eine Anlaufstelle eingerichtet, um angefeindete Forscher zu unterstützen. Das gab der seit Anfang Juli in Amt befindliche neue ÖAW-Präsident Heinz Faßmann bei der Antrittspressekonferenz gemeinsam mit der Präsidentin der philosophisch-historischen Klasse, Christiane Wendehorst, bekannt. Diese will die ÖAW "jünger, diverser und weiblicher" machen.

Die im Zuge der Corona-Pandemie zutage getretene Wissenschaftsskepsis in Österreich, die auch vom jüngsten Durchgang des alle zehn Jahre durchgeführten Eurobarometers bescheinigt wurde, könne die Akademie "nicht links liegen lassen", betonte Faßmann. Vor vorschnellen Therapievorschlägen gegen diese Skepsis brauche es solide empirische Evidenz, begründet er die Initiative der Akademie, künftig jährlich ein Wissenschaftsbarometer mit wechselnden Schwerpunkten durchführen. Ziel sei es, herauszufinden, wie sich die Wissenschaftsskepsis strukturell in der Bevölkerung verteile und wie sie sich zeitlich entwickle. Erste Ergebnisse sollen bis Anfang kommenden Jahres vorliegen.

Zudem richtet die Akademie für Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die aufgrund ihrer Arbeit Anfeindungen ausgesetzt sind, eine Anlaufstelle ein. Die Forscher seien etwa in der Pandemie mit negativen Resonanzen in den Sozialen Medien "allein gelassen" worden. Angehörige der ÖAW, die Zielscheibe von Angriffen sind, sollen deshalb dort psychologische und rechtliche Unterstützung sowie Hilfestellung beim Umgang mit Medien erhalten. Wenn das funktioniere, kann sich Faßmann vorstellen, etwa mit der Universitätenkonferenz das Angebot auch auszuweiten.

Neues Format "Science Update"

Um den Austausch zwischen Forschern und Journalisten zu relevanten Themen zu fördern, startet die Akademie das neue Format "Science Update". Erste Themen sind u.a. die Corona-Pandemie, Energie und Gentherapie.

Die Realisierung der Leistungsvereinbarung der ÖAW mit dem Bund mit über 90 Maßnahmen sei ein weiterer Schwerpunkte des neuen Präsidiums, sagte Faßmann. Als Beispiel nannte er die Errichtung des neuen Cori-Instituts in Graz, das sich mit Stoffwechselkrankheiten befasst. Kooperiert wird dabei mit Grazer Universitäten, der Gründungsvertrag soll noch im Herbst unterzeichnet werden. Weiters in der ÖAW-Pipeline befinden sich ein Zentrum für Antisemitismusforschung "mit Fokus auf den Antisemitismus in der Gegenwartsgesellschaft" und ein Schwerpunkt auf die Erforschung der Konfliktregion Kaukasus. Vom Fonds Zukunft Österreich bekommt die Akademie neun Mio. Euro für ein Programm zur Registerforschung, das bei einer Roadshow den Unis und Forschungseinrichtungen vorgestellt werden soll. Faßmann geht davon aus, dass damit rund 40 Projekte gefördert werden können.

Potenzial der 762 ÖAW-Mitglieder besser nutzen

Wendehorst betonte, dass man das Potenzial der 762 ÖAW-Mitglieder im In- und Ausland besser nutzen wolle, um die Gelehrtengesellschaft "in Richtung einer Arbeitsakademie weiterzuentwickeln". Dazu laufe eine Umfrage unter den Mitgliedern, wie diese noch besser in die Arbeit eingebunden und für die Menschen besser nutzbar gemacht werden könne. Das thematische Portfolio der ÖAW-Kommissionen soll erweitert werden, etwa um Themen wie die Energiefrage oder die neue politische Weltordnung.

"Die Akademie muss auch jünger, diverser und weiblicher werden", sagte Wendehorst. "Wichtiges Signal" sei etwa das erstmals geschlechter-paritätisch zusammengesetzte ÖAW-Präsidium, beim Frauenanteil sei die Akademie "auf gutem Weg". Zwar liege der Frauenanteil der 762 ÖAW-Mitglieder nur bei 21 Prozent, das habe aber viel mit dem Alter zu tun. So seien von den Mitgliedern unter 70 Jahren bereits 35 Prozent Frauen, bei der Jungen Akademie sind es 62 Prozent. In den vergangenen Jahren seien immer rund 50 Prozent Frauen neu in die Akademie gewählt worden. ÖAW-Mitglieder und -Mitarbeiter werden zudem befragt, wo sie in Bezug auf Gleichstellungsfragen noch Probleme sehen. (apa)