Erstmals ist eine Weltraumsonde absichtlich in einen Asteroiden gekracht. Das Ziel der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist ein lange geplantes. Himmelskörper, die die Erde bedrohen, sollen von ihrer Flugbahn abgelenkt werden. Ob das Vorhaben tatsächlich gelungen ist, wird sich erst zeigen.

Permanent rasen Asteroiden an der Erde vorbei, ohne sie ernsthaft zu bedrohen. Dennoch kommen manche Erdbrocken unserem Planeten gefährlich nahe. Seit Jahren arbeiten Weltraumorganisationen wie die Nasa daher an Modellen, um die Erde vor Asteroiden-Einschlägen zu bewahren. Nun ist eines der Szenarien erstmals erfolgreich erprobt worden.

Eines der letzten Bilder, bevor die Nasa-Sonde auf den Asteroiden kracht. 
- © afp / Jim Watson

Eines der letzten Bilder, bevor die Nasa-Sonde auf den Asteroiden kracht.

- © afp / Jim Watson

Nach zehnmonatigem Flug im Weltraum schlug der Double Asteroid Redirection Test (Dart) – die weltweit erste Demonstration planetarer Verteidigungstechnologie – am Montag erfolgreich auf dem Asteroiden Dimorphos ein. Der erfolgreiche Einschlag war um 19:14 Uhr aus dem Nasa-Kontrollzentrum unter großem Jubel gemeldet worden.

Bis kurz vor dem Aufprall war man sich nicht ganz sicher, ob die mit einer Geschwindigkeit von rund 6,6 Kilometern pro Sekunde fliegende Sonde von der Größe eines Getränkeautomaten, die die letzten Minuten im Autopilot unterwegs war, den Asteroiden von der Größe eines Fußballstadions auch wirklich treffen würde.

Flugbahn verändern

Dimorphos mit einem Durchmesser von nur 160 Metern umkreist einen größeren Asteroiden mit 780 Metern Durchmesser namens Didymos. Keiner der beiden stellt eine Bedrohung für die Erde dar, heißt es seitens der Nasa. Das Team will nun Dimorphos mit bodengestützten Teleskopen beobachten, um bestätigen zu können, dass der Einschlag von Dart die Umlaufbahn des Himmelskörpers verändert hat. Die Forscher gehen davon aus, dass der Einschlag diese um etwa ein Prozent oder rund 10 Minuten verkürzt hat.

Auf den von der Kamera der Sonde zur Erde übertragenen Bildern wurde der Asteroid erst rund eine Stunde vor dem Einschlag als heller Punkt sichtbar. Daraufhin wurde er immer größer und war mit Oberflächendetails und Schattierungen zu sehen. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Kamera beim Einschlag zerstört wurde.

"Planetenverteidigung ist ein globales Projekt, das alle Menschen auf der Erde betrifft", sagt Thomas Zurbuchen vom Nasa-Hauptquartier in Washington. "Wir wissen jetzt, dass wir ein Raumfahrzeug mit der nötigen Präzision ausrichten können, um selbst einen kleinen Körper im Weltraum zu treffen. Schon eine kleine Änderung der Geschwindigkeit reicht aus, um die Flugbahn eines Asteroiden entscheidend zu verändern."

"Der Erfolg von Dart ist eine wichtige Ergänzung des Instrumentariums, das wir brauchen, um die Erde vor einem verheerenden Einschlag zu schützen", sagt Lindley Johnson, Nasa-Beauftragter für planetare Verteidigung. "Dies zeigt, dass wir nicht länger machtlos sind, diese Art von Naturkatastrophe zu verhindern."

Von der rund 330 Millionen Dollar teuren Mission erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse darüber, wie die Erde vor herannahenden Asteroiden geschützt werden könnte. Immerhin gilt ein Einschlag vor rund 66 Millionen Jahren etwa als führende Theorie, warum die Dinosaurier ausstarben. Derzeit ist die Erde nicht bedroht. Dennoch wurden in der Nähe unseres Planeten rund 27.000 Asteroiden identifiziert – davon haben rund 10.000 einen Durchmesser von mehr als 140 Metern.

Mission "Hera" der ESA

Nun müssen die Nasa-Forscher untersuchen, ob die ungefähr zwölfstündige Umlaufbahn des Dimorphos durch den Einschlag der Sonde verändert wurde. Und wenn ja, inwiefern sie sich verändert hat. Zur genauen Erforschung dieser Fragen soll im Jahr 2024 die Mission "Hera" der Europäischen Raumfahrtagentur ESA starten. Wobei dabei der Schwerpunkt der Untersuchungen auf dem Krater liegen soll, den die Kollision von Dart hinterlassen hat, schreibt die Nasa.