Je mehr Extremwetterereignisse, Überflutungen und Dürren über das Land hereinbrechen, desto bedeutender wird das Wissen über Desaster aller Art und wie man ihnen begegnen kann. Wie Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse im Umgang mit Katastrophen helfen können, wird ab Donnerstag bei einer zweitägigen Konferenz in Innsbruck erörtert. Neben Naturgefahren an sich will man aber auch der Wissenschaftsskepsis in diesem Zusammenhang etwas entgegensetzen.

Exemplarisch für die Schwerpunktsetzungen wird die vom Disaster Competence Network Austria (DCNA) und der Universität Innsbruck veranstaltete Konferenz unter dem Motto "Wissenschaft im Dienste des Katastrophenschutzes" eröffnet, gefolgt von der Diskussion "Von Corona bis Extremwetter - die Rolle von Wissenschaft und Forschung im Umgang mit Katastrophenrisiken". An der Eröffnung nehmen unter anderen Harald Kainz, Obmann des DCNA und Rektor der Technischen Universität Graz, und Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) teil.

Behandelt werden traditionelle Naturgefahrenthematiken, wie beispielsweise die Sicherheit von Talsperren, die Auswirkungen von Unwettern und Hagel, sowie die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion von Waldbränden, heißt es seitens der Veranstalter. Auch aktuelle Forschungsarbeiten sowie Praxisberichte zu alpinen Naturgefahren wie Steinschlag und Lawinen sind Teil der Konferenz. Schwerpunkte liegen laut DCNA-Geschäftsführer Christian Resch zudem auf "Herausforderungen und Chancen für Krisenmanagement in Zeiten einer Pandemie", "Barrieren und Perspektiven der Krisenkommunikation", "resilienten Infrastrukturen gegenüber Naturgefahren wie Massenbewegungen, Lawinen und Erdbeben", "Technologien im Krisen- und Katastrophenmanagement" (z.B. Robotik und Virtual Reality), sowie "Klimawandel und Katastrophenschutz" (Extremwetterereignisse wie Hagel, Starkregenfälle und Waldbrände).

Kampf der Wissenschaftsskepsis

Nicht kampflos hinnehmen will man auch die laut Eurobarometer vorherrschende Wissenschaftsskepsis in Österreich. Vorbehalte gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen seien in der Gesellschaft nicht erst seit der Corona-Pandemie zu beobachten, deshalb würden die Konferenzbeiträge auch auf die Rolle von Wissenschaft und Forschung im Umgang mit und in der Kommunikation von Katastrophenrisiken eingehen. "Das Vertrauen in die Wissenschaft ist hierzulande nicht besonders groß. Viele Menschen glauben eher Verschwörungsmythen und Fake News, anstelle auf ein wissenschaftsbasiertes Weltbild zu setzen. Damit es nicht zur Katastrophe kommt, spielen aber Wissenschaft und Forschung eine ganz entscheidende Rolle", wird Resch in einer Aussendung zitiert.

Bei Aufklärung und Bewusstseinsbildung gebe es jedenfalls noch Luft nach oben, so Resch. "Katastrophenereignisse als Folge von Naturgefahren nehmen auch in Österreich zu und treffen auf eine eher schlecht vorbereitete Gesellschaft", erklärte der Katastrophenmanager gegenüber der APA. Bei den häufig auftretenden Ereignissen handelte es sich bisher zumeist um Hochwasser oder Überflutungen, nun würden auch Hitzewellen, Dürreperioden und daraus resultierende Waldbrände in das Bewusstsein der Bevölkerung dringen.

"Präventionsmaßnahmen werden dennoch nicht oder immer erst sehr spät getroffen", gibt Resch zu bedenken. "Wie gut sich Herr und Frau Österreicher auf Katastrophenfälle vorbereiten, ist derzeit sehr stark davon abhängig, wie alt sie sind und in welcher Region sie leben." Ältere Generationen würden eher dazu neigen, die Speisekammer gut zu füllen, Jüngere dagegen weniger. In der Regel seien auch Haushalte am Land bzw. in Regionen, die zum Beispiel durch Lawinen oder Schneefall öfter von der Außenwelt abgeschnitten werden, besser vorbereitet als jene in der Stadt.

Für die Konferenz mit 31 Fachvorträgen und 20 Posterpräsentationen werden 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Wissenschaft, von Behörden und Einsatzorganisationen aus Österreich und dem angrenzenden Ausland erwartet. (apa)