Als 1941 der Schweizer Ingenieur Georges de Mestral nach einem Spaziergang Kletten untersuchte, die an seinem Hund hafteten, inspirierte ihn die Form der Stacheln zur Entwicklung des Klettverschlusses - dem Klassiker der Bionik. Dieses und noch viele andere Beispiele, bei denen die Natur als Vorbild für Innovationen diente, zeigt das Technische Museum Wien (TMW) in seiner neuen Ausstellung "BioInspiration - Die Natur als Vorbild", die ab morgen, Mittwoch, zu sehen ist.

"Die Natur hat 3,8 Milliarden Jahre Forschung und Entwicklung betrieben, um Lösungen zu entwickeln", erklärte TMW-Generaldirektor Peter Aufreiter am Dienstag bei der Presseführung. Nun gehe es darum, mit Hilfe der Bionik - der Verbindung von Biologie und Technik - natürliche Phänomene, Strukturen, Prozesse und Formen in technische Innovationen zu übertragen.

Sonderausstellung auf 800 Quadratmetern

Wie das bereits passiert, zeigt die im Rahmen der Museumskooperation "Alliance4Science" vom Parque de las Ciencias in Granada (Spanien) konzipierte neue Sonderausstellung des TMW. Auf 800 Quadratmetern werden in Themeninseln zahlreiche Bionik-Beispiele aus den Bereichen Architektur, Medizin, Verkehr, Ingenieurwesen, Robotik, Energie, Stadtplanung, Materialkunde, Sport und Weltraumforschung gezeigt.

In der Schau finden sich die Parade-Beispiele der Bionik wie der Lotos-Effekt für selbstreinigende Oberflächen, die Haihaut mit ihrer hydrodynamischen und antibakteriellen Wirkung oder die von Flügeln von Raubvögeln inspirierten, Luftwiderstand-reduzierenden Winglets an den Enden von Flugzeugflügeln. Aber auch weniger bekannte und überraschende bioinspirierte Lösungen werden gezeigt.

So nutzt man etwa die Tatsache, dass Vögel nicht in Spinnennetze fliegen, weil die Achtbeiner UV-Licht-reflektierende Fäden miteinweben, für vogelsichere Fenster, die ebensolche Strukturen integriert haben. Die Geometrie der Flossen von Buckelwalen wird mittlerweile zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Windrädern genutzt, die sechseckige Wabenform für Weltraumhabitate und der Gelsenrüssel für schmerzlose Spritzennadeln.

Historische Bionik-Beispiele

Dass die Bionik keine völlig neue Errungenschaft ist, zeigen die historischen Beispiele der bis Herbst 2023 geöffneten Schau, zu der ein umfangreiches Vermittlungsprogramm angeboten wird: So ließ sich etwa Gustave Eiffel für die Konstruktion seines berühmten Turms in Paris von der Form von Oberschenkelknochen inspirieren. Und in London baute man bereits im 19. Jahrhundert einen Tunnel unter der Themse nach dem Vorbild von Schiffsbohrwürmern, die ihre Wohnröhren per Innenauskleidung verstärken.

"Bionik ist nicht automatisch nachhaltig", betonte TMW-Chef Aufreiter gegenüber der APA und verwies etwa auf den meist aus Kunststoff gefertigten Klettverschluss. Es gehe daher "nicht nur um das Was, sondern auch das Wie", wenn es um die Umsetzung von erprobten Lösungen der Natur geht, "denn die Natur ist grundsätzlich nachhaltig und ressourcenschonend". Aufreiter hofft jedenfalls, dass sich vor allem die Kinder und Jugendlichen, die die Ausstellung besuchen, "davon inspiriert fühlen, Ideen zu haben". (apa)