Die 1988 in Klagenfurt geborene österreichische Medizinerin Carmen Possnig wird Ersatzastronautin der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Das gab die ESA im Rahmen ihres Ministerratstreffens in Paris am Mittwochnachmittag bekannt. Possnig setzte sich in einem aufwendigen Auswahlverfahren unter insgesamt mehr als 22.500 Bewerberinnen und Bewerbern aus ganz Europa durch.

Vor fast genau fünf Jahren startete Possnig im Auftrag der ESA bereits einen einjährigen Aufenthalt in der Antarktis. Die Allgemeinmedizinerin erforschte damals in der Antarktis-Station "Concordia" Auswirkungen von Isolation und geringem Sauerstoffgehalt auf die Crew. Einer Reise ins All stand sie schon damals im Gespräch mit der APA nicht abgeneigt gegenüber: "Aber nicht so nach dem Motto 'Wir fliegen zum Mars und bleiben ein Leben lang dort'. Wenn sie mich aber in fünf Jahren wieder abholen, wäre das okay", sagte Possnig unmittelbar vor ihrem Antarktis-Abenteuer.

Nun hat es die Kärntnerin tatsächlich in den nächsten Ausbildungsjahrgang für europäische Astronauten geschafft. Sie hat damit die Chance, als erste Österreicherin ins Weltall zu fliegen. 1991 absolvierte mit Franz Viehböck der bisher einzige Österreicher einen All-Aufenthalt im Rahmen der damaligen "Austromir"-Mission.

Die ESA war seit dem Vorjahr auf der Suche nach bis zu sechs Astronautinnen und Astronauten in Festanstellung. Fünf "Karriereastronauten" sind es nun geworden. Sie kommen aus Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien und der Schweiz. Neben ihnen sind nun elf "Reserveastronauten" und mit dem Briten John McFall der erste Astronauten-Kandidat mit einer körperlichen Beeinträchtigung Teil der "ESA-Astronautenklasse 2022", wie die Agentur am Mittwochnachmittag bekannt gab.

In die zweite Runde des Auswahlprozesses schafften es Anfang des Jahres insgesamt 530 Frauen und 831 Männer. Unter den österreichischen Bewerberinnen schafften die erste Hürde immerhin 13 von 116, von den 350 männlichen Interessenten verblieben ebenfalls 13 im Rennen um die begehrten Topjobs.

Possnig absolviert derzeit ein PhD-Studium an der Universität Innsbruck, in dem sie sich mit Weltraummedizin beschäftigt. Über ihre Erfahrungen beim Antarktisaufenthalt veröffentlichte sie das Buch "Südlich vom Ende der Welt".

Das Auswahlverfahren hatte insgesamt sechs Stufen, wie der aus Tirol stammende ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher bei der Präsentation erklärte: "Die letzte Stufe war ein Interview mit mir." Er habe in diesen Gesprächen "sehr interessante Menschen" mit "einzigartigen Persönlichkeiten" kennengelernt". Egal ob "Karriere-" oder "Reserve" - alle seien "fähig ins All zu fliegen" und seien hiermit "Astronauten".

In der Karriere-Schiene erhalten die künftigen Raumfahrer sofort einen Vertrag mit der Raumfahrtbehörde. Sie beginnen mit der Basisausbildung und werden in der Folge für künftige Missionen im Astronautenzentrum der ESA in Köln ausgebildet. Die Reserve erhalte noch keinen festen Vertrag und bleibt vorerst in ihren angestammten Jobs. Dazu kommen regelmäßige Trainings und Abstimmungen mit der ESA. Die Idee dahinter ist, dass diese Persönlichkeiten dann relativ rasch in Projekte und Missionen eingebunden werden können, so Aschbacher.