Knapp 50 Jahre nach dem letzten wissenschaftlichen Nobelpreis für einen in Österreich tätigen Forscher (1973: Konrad Lorenz, Medizin) erhält der Quantenphysiker Anton Zeilinger am Samstag (10.12.) den Physik-Nobelpreis. Der 77-Jährige ist einer von 27 Nobelpreisträgern, die heuer nach Stockholm kommen. Neben den aktuellen Laureaten hat die Nobel-Stiftung auch jene der Jahre 2020 und 2021 eingeladen, die pandemiebedingt die Auszeichnung in ihren Heimatländern erhalten hatten.

Zeilinger wird "für Experimente mit verschränkten Photonen, Nachweis der Verletzung der Bellschen Ungleichungen und wegweisender Quanteninformationswissenschaft" auszeichnet. Er teilt sich den mit zehn Mio. Schwedische Kronen (rund 900.000 Euro) dotierten Physik-Nobelpreis mit dem Franzosen Alain Aspect und seinem US-Kollegen John Clauser. Der Physiker ist emeritierter Professor an der Universität Wien und am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätig, deren Präsident er von 2013 bis 2022 war.

Nach einer Stippvisite im Nobelpreismuseum am Dienstag, wo die Preisträger ein Objekt für das Museum spenden, beginnt die Nobel-Woche mit ihren zahlreichen Veranstaltungen für Zeilinger offiziell am Mittwoch (7. Dezember) um 9.30 Uhr mit der Pressekonferenz der Preisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften an der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Viel Zeit für die Journalisten gibt es nicht: Für Fragen an Aspect, Clauser, Zeilinger, die Chemie-Preisträger Carolyn Bertozzi, Barry Sharpless und Morten Meldal sowie die Laureaten in den Wirtschaftswissenschaften Ben Bernanke, Douglas Diamond und Philip Dybvig sind 30 Minuten vorgesehen. In Graz wird am Mittwoch (17.00 Uhr) Zeilingers Lehrer an der Uni, Herbert Pietschmann, in einem allgemein verständlichen Vortrag erklären "was es mit dem Beamen auf sich hat".

Nobelpreis-Lecture

Am Donnerstag (8. Dezember) folgt um 9.00 Uhr die Nobelpreis-Lecture von Aspect, Clauser und Zeilinger an der Universität Stockholm. Aspect betitelt seinen Vortrag "Von Einstein und Bell zu den Quantentechnologien: Nichtlokalität als fruchtbares Bild", Clausen spricht über den "Experimentellen Beweis, dass nichtlokale Quantenverschränkung real ist" und Zeilinger entführt zu einer "Reise durch das Quantenwunderland".

Donnerstag Abend steht noch das Nobelpreis-Konzert zu Ehren der Preisträger im Konzerthaus von Stockholm an. Der österreichische Dirigent Manfred Honeck wird das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra leiten, die deutsche Sopranistin Diana Damrau dabei Opernarien von Mozart singen.

Honecks Dirigat ist nicht der einzige künstlerische Beitrag aus Österreich zur Nobel-Woche: Eine der insgesamt 22 Lichtinstallationen des Festivals "Nobel Week Lights" vom 3. bis 11. Dezember wurde von der österreichischen Künstlerin Eva Beierheimer gestaltet. Ihr interaktives Werk "Alas, Alas, the mirror's retrospection" (Ach, ach, die Rückschau des Spiegels) ist am Sergels-Platz im Zentrum Stockholms zu sehen. Beierheimer, die seit 2007 in Schweden arbeitet, hat sich für ihre Arbeit von einem Gedicht Alfred Nobels inspirieren lassen, viele andere Installationen wurden durch Leistungen von Nobelpreisträgern angeregt.

Am Freitag (9. Dezember) wird die schon seit den 1960er Jahren von BBC und dem schwedischen Fernsehen SVT veranstaltete TV-Diskussion "Nobel Minds" mit Preisträgern des Jahres aufgezeichnet. Die populärwissenschaftliche Sendung wird von Zeinab Badawi von der BBC moderiert, zu sehen ist sie in Schweden am 15. Dezember, auf BBC am 17. und 18. Dezember.

Österreichische Politiker auf Schweden-Besuch

Der österreichischen Politik kommt Zeilinger, der mit seiner Familie nach Stockholm reist, auch in Stockholm nicht aus: Bereits heute, Montag, trifft Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP), die auf Schweden-Besuch ist, den Physiker. Und zur Verleihung und Bankett am Samstag hat sich auch Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) angesagt.

Die Verleihung der wohl begehrtesten wissenschaftlichen Auszeichnung findet am Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, dem 10. Dezember, statt: Der schwedische König Carl XVI. Gustaf überreicht ab 16.00 Uhr die Nobelpreis-Urkunde und -Medaille im Stockholmer Konzerthaus. ORF III wird die Zeremonie ab 15.40 Uhr live übertragen.

Im Anschluss daran gibt es im Stockholmer Rathaus das traditionelle Nobelpreis-Bankett - erstmals wieder nach der pandemiebedingten Unterbrechung seit 2019. Für die musikalische Untermalung sorgen dabei der US-kanadische Singer-Songwriter Rufus Wainwright und die schwedische Opernsängerin Elin Rombo.

Mit der Verleihungszeremonie ist das Stockholm-Programm für die Laureaten noch nicht vorbei. In den Tagen danach wird ihnen etwa das Alumni-Netzwerk der Nobelpreisträger vorgestellt. Zeilinger wird zudem ein Seminar an der Universität Stockholm halten.

Zurück in Wien steht dann voraussichtlich noch vor Jahreswechsel die Verleihung des Großen Silbernen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich durch den Bundespräsidenten an. Die Auszeichnung wurde Mitte November im Ministerrat beschlossen. Und am 25. Jänner wird Zeilinger im Audi Max der Universität Wien nochmals seine Nobelpreis-Lecture halten. (apa)