Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger für ihre Experimente mit verschränkten Photonen und ihre Pionierarbeit in der Quanteninformatik", verkündete die Nobelpreis-Jury am 4. Oktober dieses Jahres. Mit heute, Samstag, wenn in Stockholm die offizielle Überreichung der Auszeichnungen vonstattengeht, wird der heimische Quantenphysiker den Preis auch physisch in Händen halten.

Schon lange Zeit wird Zeilinger als "Mr. Beam" gefeiert. Im Jahr 1997 veröffentlichte er im Fachjournal "Nature" seine bisher meistbeachtete Arbeit über die erste Teleportation eines Teilchens, die ihn auch in der Öffentlichkeit berühmt machte. Dabei war dieser Erfolg "nur" ein Spin-off seiner grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Quantenphysik.

Eines der zentralen quantenphysikalischen Phänomene, mit denen sich Zeilinger beschäftigt, ist die sogenannte Verschränkung, die von Erwin Schrödinger (1887-1961) als "Essenz der Quantenphysik" bezeichnet worden war. Albert Einstein hatte dagegen abwertend von "spukhafter Fernwirkung" gesprochen. Doch die drei ausgezeichneten Physiker haben den quantenphysikalischen Zustand, bei dem zwei verschränkte Teilchen wie von Zauberhand miteinander verbunden bleiben und ihre physikalischen Eigenschaften teilen, "aus der Theorie in die Praxis gebracht", hieß es seitens des Nobelpreis-Komitees.

Antrieb ist die Neugierde

Bei den Nobel-Lectures zeigten die drei Forscher am Donnerstag, dass die "Quantenwunderwelt" tatsächlich verrückt ist. Zu Beginn seiner Vorlesung hatte sich Zeilinger "glücklich und dankbar" gezeigt. Der 77-jährige emeritierte Professor an der Universität Wien, der am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätig ist, dankte - wie auch schon bei der Pressekonferenz nach der Zuerkennung des Preises in Wien - den "Steuerzahlern in Österreich, Europa und den USA", die die Arbeit der Laureaten erst ermöglichten.

Zuvor hatte ein Teil der Preisträger-Gilde - neben Physik auch Chemie und Ökonomie - im Rahmen einer Pressekonferenz ein Plädoyer für den Wert der Neugierde in der Wissenschaft gehalten. Man dürfe nie vergessen, dass es eine "Zukunft über die absehbare Zukunft hinaus gibt", betonte Zeilinger. Dass nun Anwendungen aus der quantenphysikalischen Grundlagenforschung entstehen, sei erstaunlich. Quantencomputer und Quantenkryptographie seien ein Teil davon.

Es sei "nett, berühmt zu sein", aber als ultimativer Antrieb für eine Forscherkarriere könne nur die Neugierde fungieren, betonte der diesjährige Chemie-Nobelpreisträger Barry Sharpless.

Als Vertreter des offiziellen Österreichs reist Bildungsminister Martin Polaschek nach Stockholm. Auch heutzutage seien "solche Forschungskarrieren in Österreich möglich", zeigte sich der Minister in einem APA-Interview überzeugt. Über Zeilinger ist in der wissenschaftlichen Gemeinde immer wieder als künftigen Preisträger spekuliert worden.

Auf die fast 50 Jahre seit dem letzten wissenschaftlichen Nobelpreis für einen Österreicher - Konrad Lorenz erhielt die Medizin-Auszeichnung im Jahr 1973 - angesprochen, erklärte Polaschek, dass es natürlich "keine Rezepte" gebe, um die Frequenz zu erhöhen. "Was wir aber sehr wohl tun, ist in die Exzellenz zu investieren", so der Minister. Die Auszeichnung für Zeilinger sei für die Forscher im Land sicher auch "Motivation, sich zu engagieren und exzellente Leistungen abzuliefern".

Unterdessen erfährt der Quantenphysiker in seiner Heimat eine besondere Ehre. Das Rektorat der Universität Innsbruck beschloss diese Woche, Zeilinger "für seine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen" ein Ehrendoktorat zu verleihen, hieß es in einer Aussendung am Freitag. Er war von 1990 bis 1999 Universitätsprofessor am Innsbrucker Institut für Experimentalphysik.

Zeilinger ist Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), seit dem Jahr 2004 leitet er die Abteilung des im selben Jahr neu gegründeten Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der ÖAW. Bis Juni dieses Jahres war er Präsident der Institution.

Ehrenzeichen der Republik

Höhepunkt ist nun die feierliche Verleihung der Nobelpreise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaftswissenschaften im Konzerthaus von Stockholm durch den schwedischen König Carl XVI. Gustaf. Sie wird jährlich am Todestag des Preisstifters Alfred Nobel vorgenommen.

Zeilinger selbst wird in den Tagen nach der Zeremonie noch ein Seminar an der Universität Stockholm halten. Zurück in Wien steht dann voraussichtlich noch vor dem Jahreswechsel die Verleihung des Großen Silbernen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich durch den Bundespräsidenten an. Die Auszeichnung war Mitte November im Ministerrat beschlossen worden. Am 25. Jänner wird der Quantenphysiker im Audi Max der Universität Wien nochmals seine Nobelpreis-Lecture halten.(gral/apa)