Vor zwei Milliarden Jahren vereinigten sich einfache Mikroben zu "höheren Zellen" (Eukaryoten), aus denen sämtliche Tiere, Pflanzen und Pilze bestehen. Hauptakteure waren damals wohl "Asgard Archaeen", die viele Merkmale höherer Zellen besitzen: Unter anderem ein Zellskelett aus verzwirbelten, doppelsträngigen Fasern, berichten Forscher im Fachblatt "Nature". Sie konnten diese urtümlichen Mikroben im Labor züchten und inspizieren.

Ein Team um Christa Schleper vom Department für Funktionelle Evolutionäre Ökologie der Uni Wien nahm an der Küste von Piran in Slowenien Proben von Meeressedimenten und kultivierte darin befindliche Asgard Archaeen. "Es hat sechs lange Jahre gedauert, eine stabile und hoch angereicherte Kultur zu erhalten", so die Mikrobiologin in einer Aussendung.

Großes Potenzial

Diese empfindlichen Organismen würden sich nur alle ein bis zwei Wochen teilen und somit vermehren. Beim üblichen Modellorganismus Escherichia coli geht dies in zwanzig Minuten vonstatten. Die kultivierten Zellen zeigen eine runde Form und haben teils sehr lange, Tentakel-ähnliche Fortsätze, so die Forscher. Diese Fortsätze scheinen manchmal sogar unterschiedliche Zellkörper miteinander zu verbinden. Zudem enthalten die Archaeen ein ausgedehntes Netzwerk aus Aktin-Filamenten, den Fasern des Zellskeletts, wie man es so bislang nur von eukaryotischen Zellen kennt. Das weise darauf hin, dass solche Zellskelett-Strukturen schon in Archaeen entstanden sind und beflügelt evolutionäre Theorien, die sich um diesen wichtigen und spektakulären Prozess in der Evolution ranken.

"Unser neuer Organismus mit dem Namen ,Lokiarchaeum ossiferum‘ hat sehr großes Potenzial, auch zukünftige bahnbrechende Einblicke in die frühe Evolution von Eukaryoten zu ermöglichen", betont Schleper.