Wer in einem Forschungsfeld führend sein will, muss früh investieren. Wenn eine Region sich als führend in einem Fach etabliert hat, profitiert sie längerfristig: "Sobald sich eine Region als führend etabliert hat, wollen alle dorthin", sagt Stefan Thurner, der mit anderen Forschern des Wiener Complexity Science Hub (CSH) die Mobilität von Wissenschaftern untersucht hat. Wenn eine Region aber aufholen will, ist das zwar mit hohen Kosten verbunden, aber - wie das Beispiel China zeige - möglich.

"Frühe Investitionen in aufstrebende Forschungsbereiche spielen eine wesentliche Rolle, um später darin führend zu werden", wird CSH-Forscher Vito D. P. Servedio, einer der Autoren der im Fachmagazin "Chaos, Solitons & Fractals" erschienenen Studie, in einer Aussendung zitiert. Etablieren Pioniere ein Forschungsfeld oder eine Technologie, erhöhe das die Wahrscheinlichkeit, dass Forscherinnen und Forscher in dieses neue Umfeld wechseln - starke Regionen werden also noch stärker. Kompetenz ziehe Kompetenz an, für Wissenschafter gebe es auch außerhalb der akademischen Laufbahn Jobmöglichkeiten, erklärt Thurner.

Starke Regionen werden noch stärker

Benötigt werden finanzielle Mittel sowie Wissenschafter und Wissenschafterinnen. Eine Mindestanzahl, die eingestellt werden muss, um ein neues Forschungsgebiet zu beginnen und voranzutreiben, gibt es laut dem Forschungsteam allerdings nicht. Diese Erkenntnis widerspreche der gängigen Meinung, stellte Thurner klar.

Wer sich nicht als Pionier etabliert und deshalb einen Rückstand aufzuholen hat, muss "führende Leute im wahrsten Sinn des Wortes einkaufen", so Thurner. Damit für die neue Region dieselbe Anziehungskraft entstehe, brauche es ähnlich viele und ähnlich gute Leute. Beim Aufholen müssen Regionen also mit enormen Kosten rechnen - anders, als wenn man anfänglich ein paar Wissenschafter weniger intensiv fördere.

China nimmt die Kosten auf sich

Diese Kosten hat etwa China auf sich genommen. Die chinesische Halbleiterforschung habe Servedio zufolge ihren Aufholprozess Ende der 1970er Jahre begonnen und es heute zur dominierenden Rolle gebracht. Der asiatische Staat schließe zu den USA auf. "Auch wenn Pioniere Vorteile haben, ist es nicht unmöglich, dass Nachzügler in einem wissenschaftlichen Bereich aufholen oder sogar die Erstplatzierten übertreffen können", erklärte CSH-Forscherin Márcia R. Ferreira.

Der Erfolg einer Region wurde daran gemessen, wie viel Output ein Wissenschaftsfeld produziert. Laut Servedio wurden dafür "Daten aus mehreren Jahrzehnten mit Informationen über viele Millionen Publikationen von etwa 20 Millionen Forschenden und mehr als 98.000 Forschungseinrichtungen weltweit" analysiert. (apa)