Wien. "Das ist nicht nur ein Geldsegen, sondern vor allem ein unglaublicher Motivationsschub", erklärte der Zellbiologe Jan-Michael Peters (Institut für Molekulare Pathologie, Wien), dem am Dienstag ebenso wie dem Meeresbiologen Gerhard J. Herndl (Universität Wien) der Wittgenstein-Preis 2011 verliehen wurde.

Seit 1996 ist der nach dem österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein benannte Preis für die damit ausgezeichneten Wissenschafter die Bestätigung, dass sie in ihrem Fach in die oberste Liga gehören. Jeder Preis ist mit einer Summe von 1,5 Millionen Euro verbunden, die im Laufe von fünf Jahren in die weitere Forschung zu investieren sind.

Der 1962 in Norddeutschland geborene Jan-Michael Peters und sein Team erforschen jene molekularen Mechanismen, durch die das Genom von einer Zellgeneration zur nächsten weitergegeben wird. Ihn interessiert, wie man sicherstellen kann, dass bei der Zellteilung die Chromosomen in richtiger Zahl und Qualität weitergegeben werden, damit Erkrankungen, die auf einer Fehlverteilung von Chromosomen beruhen, zu vermeiden sind.

Gerhard Herndl, 1956 in St. Pölten geboren, kehrte 2008 nach langjähriger erfolgreicher Tätigkeit in den Niederlanden nach Österreich heim. Ihn interessieren die "Geheimnisse der Tiefsee, denn darüber wissen wir noch weniger als über die Oberfläche des Mondes". Die Ergründung von Kohlendioxid-Kreisläufen im Meer trage, so Herndl, auch zu einem generell besseren Verständnis unseres Systems Erde bei.

Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) schüttet heuer insgesamt 12,6 Millionen Euro - "sieben Prozent unseres Jahresbudgets", so FWF-Präsident Christoph Kratky - für die Wittgenstein- und die - je nach Antragstellung mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotierten - Start-Preise aus.

Der Ritterschlag in der Scientific Community, den ein Start-Preis für einen jungen Forscher bedeutet, wurde heuer einer Dame und sieben Herren verliehen. Dass 2011 nur Vertreter der Naturwissenschaften dabei sind, ist für Kratky "Zufall, auch die Geisteswissenschaften sind in Österreich gut unterwegs".

Die Start-Preisträger sind: die Computerwissenschafterin Agata Ciabattoni (TU Wien), der Schallforscher Peter Balazs (ÖAW/ Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien), der Physiker Sebastian Diehl (Uni Innsbruck), der Biochemiker Alwin Köhler (MedUni Wien), der Photonik-Experte Thomas Müller (TU Wien), der Quantenphysiker Peter Rabl (ÖAW, Innsbruck), der Biophysiker Michael Sixt (IST Austria, Klosterneuburg) und der Physiker Philip Walther (Uni Wien).