Vitale Religiosität junger Muslime kann narzisstische Kränkung auslösen, meint Bonelli. Foto: Stanislav Jenis
Vitale Religiosität junger Muslime kann narzisstische Kränkung auslösen, meint Bonelli. Foto: Stanislav Jenis

Schlangenphobie, Höhenangst oder Sozialphobie gehören dazu. Xenophobie fehlt in internationalen Klassifikationen von Krankheiten, hat aber einen psychologischen Hintergrund. Auch sie bezeichnet die Angst, das Unwohlsein durch einen äußeren Stimulus, den Fremden, durch den man sich persönlich bedroht fühlt.

Aber Xenophobie ist doch eher ein politischer Begriff?

Man kann den Xenophobie-Vorwurf auch politisch missbrauchen. Unser Institut macht am 18. Juni dazu eine Tagung. Wir sprechen dort von der "sogenannten Islamophobie", um deutlich zu machen, dass wir den Begriff nicht politisch meinen, sondern psychologisch. Ich bin kein Politiker. Ich denke nicht politisch und möchte nicht so wahrgenommen werden, weil das nicht meine Kompetenz ist.

Sind alle Formen von Islamophobie und Xenophobie krankhaft?

Nicht unbedingt. Krankhaft sind sie, wenn die Angst komplett irrational wird, wenn sie aus dem Gleichgewicht kommt und nichts mehr mit dem Realen zu tun hat. Je weniger man sich mit der eigenen Angst auseinandersetzt und ihre Ursachen versteht, desto mehr führt sie zu Aggression: Weil man sich der eigenen Motive nicht bewusst ist, kann man diese Angst so schwer kontrollieren und weiß nicht, wie man die Aggression in den Griff bekommt.

Was sind die psychologischen Wurzeln der Islamophobie?

Nach meiner Beobachtung ist die Islamophobie einerseits Teil der Xenophobie, andererseits Teil einer generellen Religionsfeindlichkeit. Mal überwiegt das Eine, mal das Andere. Konservative Gemüter tendieren eher zur Xenophobie.

Warum?

Weil sie an der Welt, in der sie leben, festhalten und jede Veränderung als bedrohlich erleben. Es ist ein Faktum, dass sich Wien verändert hat und weiter verändern wird. Aber Wien war immer schon in Veränderung. Wer das als bedrohlich erlebt, bei dem führt das zu Aggression und Verbitterung. Über die vielen Kinder mit Migrationshintergrund kann er sich nicht freuen. Nicht eingestandene rassistische Motive spielen hier auch eine Rolle. Das Wesentliche bei der Phobie ist auch diese persönliche Betroffenheit, das Ichhafte: "Ich habe Angst, dass die Fremden mir die Arbeitsplätze wegnehmen." Charakteristisch ist weiters die Verbitterung darüber, dass das geliebte Heimatland aus dieser Sicht untergeht. Und bei Verbitterung sieht man sich selber meist als Opfer.