Dr. Charles W. Hoge von der Abteilung für Psychiatrie und Verhaltensforschung am Walter Reed Army-Forschungszentrum und die Co-Autoren hatten die Angehörigen von drei Heeresinfanterie- und von einer Marineinfanterie-Einheit vor bzw. nach ihren Einsätzen in Afghanistan (3.671 Personen) oder im Irak (2.350 Probanden) per Fragebogen auf psychische Auffälligkeiten (Depressionen, Angstzustände, Posttraumatische Belastungsreaktion, Alkoholmissbrauch) untersucht.

Die Ergebnisse sprechen eindeutig dafür, dass einerseits ein hoher Prozentsatz der US-Soldaten schon vor dem Kampfeinsatz psychische Probleme aufwiesen. Doch die Rate erhöhte sich deutlich mit den Kampferfahrungen und war bei den Irak-Veteranen wesentlich höher als bei den Heimkehrern aus Afghanistan. Das war scheinbar direkt mit der Häufigkeit der Teilnahme an Kampfhandlungen korreliert. Allerdings: Bei den Afghanistan-Veteranen (1.962 Befragte) zeigte sich eine Erhöhung des Anteils psychisch Geschädigter auf 11,2 Prozent (immerhin plus 23 Prozent).

Vor dem Einsatz im Irak (2.350 Soldaten) wiesen 9,3 Prozent Depressionen, Angst oder Posttraumatische Belastungsstörungen auf. Zwischen 12,5 und 17,2 Prozent von ihnen wiesen Anzeichen von Alkoholmissbrauch auf.

Die Irak-Heimkehrer (894 Getestete) litten zu 17,2 Prozent an solchen Problemen, was einer Verdopplung der Häufigkeit entsprach. Die aus dem Irak heimgekehrten US-Marineinfanteristen zeigten zu 15,6 Prozent eine psychische Störung (Depressionen, Angstzustände, Posttraumatische Belastungsstörungen). Das bedeutete eine Steigerung gegenüber der Vergleichsgruppe ohne Kriegserfahrung um 80 Prozent.

Die Frage "Haben Sie schon einmal Ihren Alkoholkonsum reduzieren wollen oder müssen?" beantworteten 12,5 Prozent der US-Soldaten vor einem Irak-Einsatz mit "Ja". Bei den Heeres-Infanteristen stieg dieser Anteil nach dem Krieg um 82 Prozent, bei den Marineinfanteristen gar auf das 2,92-Fache.

Was noch zusätzlich bedenklich ist: Nur 23 bis 40 Prozent der US-Soldaten mit solchen Trauma-Folgen suchten professionelle Hilfe zur Bewältigung ihrer Probleme. Sie fürchteten speziell eine Stigmatisierung.

Hormon schützt vor Traumatisierung

Dennoch stellt sich nicht nur Forschern immer wieder die Frage, wie es manchen Menschen gelingt, mit traumatisierenden Erfahrungen besser fertig zu werden als andere. Hier hat sich nun ein neuer Ansatz gezeigt: Ein körpereigenes Hormon schützt die Psyche vor Traumatisierung. US-Forscher stellten bei Soldaten in militärischen Überlebenslagern fest, dass das Hormon DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-S) unter extremer Belastung nicht nur vor Stress schützt, sondern auch die Leistungen fördert.

Das von der Nebenniere gebildete Hormon könnte künftig nicht nur bei Soldaten eingesetzt werden, sondern auch bei zivilen Gruppen, die großen Belastungen ausgesetzt sind, wie etwa Feuerwehrleute, Polizisten, Ärzte oder Rettungssanitäter bei Katastropheneinsätzen.

Forscher des Nationalen Zentrums für Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) untersuchten 25 Soldaten bevor, während und nachdem sie in einem simulierten Gefangenenlager extremer körperlicher und psychischer Belastung ausgesetzt wurden - durch Verhöre, Lebensmittel- und Schlafentzug. Anhand von Befragungen bewerteten die Forscher das PTSD-Risiko der Teilnehmer.

Weniger im Alter

Diejenigen Soldaten, die die höchsten DHEA-S-Werte aufwiesen, zeigten die wenigsten Anzeichen einer Traumatisierung. Zudem agierten sie unter Stress leistungsfähiger als ihre Kollegen, wie eine zweite Untersuchung der US-Armee ergab. Unklar ist, ob die Menge des gebildeten Hormons genetisch bedingt ist oder von eigenen Lebenserfahrungen abhängt. Die höchsten DHEA-S-Konzentrationen haben laut dem Magazin "New Scientist" Menschen im Alter von 20 bis 25 Jahren, danach sinkt der Wert mit zunehmendem Alter ab.