Wien. (est) Thomas Henzinger blickt auf sechs Neuberufungen und die Verdoppelung der Zahl der Mitarbeiter von 100 auf fast 200 zurück: Fünf Jahre nach dem Gesetzesbeschluss, mit dem IST Austria eine Spitzenuniversität zu gründen, zog dessen Präsident am Donnerstagabend Bilanz "eines Jahres des Wachstums".

Derzeit stehen 22 Professoren unter Vertrag, bis 2016 sollen es 40 bis 50 sein. Das wie Henzinger betont "gewagte Ziel ist, die Naturwissenschaften mit 100 Forschern abzudecken, die Gruppen von je zehn bis 15 Doktoranden und Post-Docs leiten". Jüngst hinzugekommen sind der 1975 geborene Schweizer Neurobiologe Simon Hippenmeyer und der 1960 geborene japanische Mediziner Ryuichi Shigemoto. Hippenmeyer untersucht Mechanismen der neuronalen Entwicklung, Shigemoto die Signalübertragung im Gehirn.

Effekte der Wirtschaftskrise

Laut Regierungsmission muss das IST Forschung auf Weltklasse-Niveau produzieren und ebensolche Forscher ausbilden. Neben Neurowissenschaften, Zellbiologie, Evolutionsbiologie und Computerwissenschaften will man sich auf Materialwissenschaften und Mathematik konzentrieren. Angesichts der Wirtschaftskrise stehen US-Unis unter Druck: "Es ist also nicht die schlechteste Zeit, Forscher anzuwerben", so Henzinger.

Negativ wirkt sich die Krise auf die Großzügigkeit von Sponsoren aus. Seit der 10-Millionen-Euro-Spende der Bertanalffy-Stiftung 2010 für Laborausstattung konnten keine ähnlichen Summen eingeworben werden. Zugesagt seien einzig 100.000 Euro des Sinterteil-Herstellers Miba für eine Forschungswerkstatt. Die Zahl der Förderungen des Europäischen Forschungsrats (ERC-Grants) für Spitzen-Forschung konnte hingegen von vier auf acht erhöht werden, etwa 40 Prozent der Professoren werden damit gefördert. "Vor uns ist nur die viel größere Uni Wien", betonte der IST-Präsident. Bisher konnten 20 Millionen Euro an Forschungsförderungen eingeworben werden.

Vom Bund fließen bis 2016 insgesamt 290 Millionen Euro an das IST, bis zu 95 Millionen Euro davon aber nur bei Drittmittel-Einwerbung. Eine feste Zusage für die Finanzierung über 2016 hinaus gibt es noch nicht, Henzinger sorgt sich aber nicht: "Je erfolgreicher wir sind, desto schwerer wird es, uns nicht weitermachen zu lassen." Steigt die Zahl der Professuren ab 2016 wie geplant von 50 auf 100, müsste auch der Bund seine Mittel verdoppeln.