Wien. Nach sechsmonatigen Gesprächen gibt es nun eine Einigung, welche Forschungsbereiche der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in die Universität Wien eingegliedert werden. Ab 1. April gehören das Institut für Europäische Integrationsforschung (EIF), die Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs (KRGÖ) und Teile der Kommission für Linguistik und Kommunikationsforschung zur Universität. Damit übernimmt die Uni 27 Mitarbeiter der Akademie.

Die Vereinbarung ist Teil eines zwischen Ministerium und Akademie ausgehandelten "Reform- und Restrukturierungsplans". Hintergrund ist die im Herbst abgeschlossene Leistungsvereinbarung zwischen der ÖAW und dem Ministerium. Demnach stellt der Bund der Akademie 2012 bis 2014 ein Globalbudget von 223,8 Millionen Euro zur Verfügung. Daraus ergibt sich in diesem Zeitraum laut ÖAW allerdings eine Budgetlücke von 40 Millionen Euro. Die ÖAW, die auf einen Personalstand von 1440 Mitarbeitern verweist, befürchtete im Herbst Personalabbau und die Institutsschließungen.

Schlüsselkompetenzen


"Wenn wir die Verhandlungen gut hinbringen, werden wir in dieser Periode über die Runden kommen", sagte ÖAW-Vizepräsident Arnold Suppen am Freitag zur "Wiener Zeitung": "Natürlich ist es schmerzlich, Kompetenzen abgeben zu müssen, zudem fehlen größere Investitionsmittel für die Zukunft. Aber wir können das Personal halten, und das ist viel wert." Da nur kleinere Institute übertragen würden, würde die ÖAW zudem keine Schlüsselkompetenzen wie Biotechnologe oder Quantenphysik verlieren. "Die Ausgliederung ist auch insofern positiv, als dass diese Institute an den Unis ein Umfeld vorfinden, das ihrem Forschungsgegenstand entspricht", relativiert Suppan.

Das EIF widmet sich der politikwissenschaftlichen Grundlagenforschung zur europäischen Integration. In der KRGÖ erforschen Juristen, Historiker und Rechtshistoriker Rechtsgeschichte. Die Kommission für Linguistik und Kommunikationsforschung konzentriert sich auf Neuropsycholinguistik und Sprachentwicklung bei Kindern. Die Finanzierung für die nächsten drei Jahre erfolgt über die "Offensivmittel" des Wissenschaftsministeriums.

Die ÖAW führt Gespräche für weitere Ausgliederungen mit den Unis Salzburg und Innsbruck. Geplant ist demnächst die Übertragung des Instituts für Limnologie an die Uni Innsbruck, das Infrastrukturinvestitionen von vier Millionen Euro benötigen würde.