Wien.

Stehpause in der Forschungslandschaft: bergauf oder bergab? - © Edler von Rabenstein - Fotolia
Stehpause in der Forschungslandschaft: bergauf oder bergab? - © Edler von Rabenstein - Fotolia
(est) Dass politische Ankündigungen nicht immer Wirklichkeit werden, liegt wohl in ihrem Wesen. Christoph Kratky hätte es gerne anders. Der Präsident des Wissenschaftsfonds (FWF) fordert: "Die Bundesregierung hat sich in ihrer Forschungsstrategie konkrete Ziele für die Grundlagenforschung gesetzt, die bisher nur ansatzweise umgesetzt wurden. Wir hoffen, dass sie die politische Kraft zur vollständigen Umsetzung aufbringt", betonte er bei der FWF-Bilanz am Dienstag.

Der Wissenschaftsfonds ist der größte Fördergeber für Grundlagenforschung in Österreich. Er unterstützt in erster Linie Forschungspersonal für Wissenschafter, die ein Projekt an einer Institution umsetzen wollen. Ein substanzieller Anteil der Forschung an heimischen Unis finanziert sich über FWF-Drittmittel.

Laut ihren selbst gesetzten Zielen will die Regierung die Gesamt-Ausgaben für Forschung bis 2020 auf 3,4 Prozent anheben und dabei den Anteil der Grundlagenforschung von 0,44 Prozent auf das Niveau führender Forschungsnationen steigern. In diesem Sinn konnte der FWF 2011 ein Rekordbewilligungsvolumen von 195,2 Millionen Euro vergeben oder plus 14,5 Prozent gegenüber 2010. "Unser heuriges Bewilligungsbudget liegt erstmals über jenem des Krisenjahrs 2008", sagte Kratky, der für 2012 eine weitere Steigerung auf 205 Millionen Euro erwartet.

Wie es danach weitergeht, ist allerdings offen. Die derzeitige, fünfjährige Verpflichtung der Bundesregierung läuft Anfang 2013 aus. Kratky sprach von der ungemütlichen Situation einer "Stehpause" ohne zu wissen, ob es "weiter bergauf geht oder nicht".

In der Schweiz ist der Anteil der Finanzierung der Grundlagenforschung am BIP doppelt so hoch wie in Österreich. Berechnet man allerdings das im Verhältnis höhere Schweizer BIP und die kleinere Einwohnerzahl mit ein, kommen auf jeden Österreicher rund 20 Euro für Grundlagenforschung und auf jeden Schweizer rund 80 Euro.

Zudem sind beim FWF die vergebenen Summen gestiegen, ohne dass sich die Zahl der genehmigten Projekte in den letzten zehn Jahren nennenswert verändert hat. "Forschung wird aufwendiger und teurer", erklärt Kratky diese "Förderschere". Derzeit könnten nur 25 Prozent der beantragten Förderungen bewilligt werden, obwohl mindestens 35 Prozent förderwürdig seien.

80 Prozent der FWF-Förderungen würden für Personalkosten vergeben. "Wir finanzieren den wissenschaftlichen Nachwuchs in Österreich", sagte Kratky: "Wenn man uns Geld wegnimmt oder nicht genug gibt, hat das unmittelbare Konsequenzen auf die Zahl der jungen Wissenschafter."

Chancengleichheit durch Exzellenz-Cluster


Im Gegensatz dazu hat die Bundesregierung dem als "Eliteuniversität" bekannt gewordenen Institute of Science and Technology (Ista) in Maria Gugging 1,4 Milliarden Euro an Förderungen von 2016 bis 2026 zugesagt, mit denen der Aufbau des Spitzenforschungsinstituts fortgesetzt werden soll. Obwohl seine Agentur keine derartige Planungssicherheit hat und Ista-Forscher auch FWF-Projekte beantragen könnten, will Kratky nicht von einer Schieflage sprechen. "Wir fördern Individuen, nicht Institute." Er betont jedoch, dass parallel dazu die Regierung ihrem selbst gesteckten Ziel, bis 2020 zehn Exzellenz-Cluster ins Leben zu rufen, nachkommen müsse. Laut Forschungsstrategie sollte der FWF Spitzen-Forschungsgruppen an Unis finanzieren. Während der Krise wurde das Cluster-Programm jedoch auf Eis gelegt. "Es wäre sinnvoll, es wieder aufzunehmen, speziell um dem Vorwurf der Ungleichbehandlung mit dem Ista entgegenzuwirken", betonte Kratky. Für die geplanten zehn Cluster würden jährlich 50 Millionen Euro benötigt. Im Vorjahr hatte das Wissenschaftsministerium zudem Mittel für Overhead-Kosten (Gebäude, Material, Geräte) für Einzelprojekte bewilligt. "Der positive Schritt hat aber auch zur Folge, dass die Antragsteller nun vermehrt Einzelprojekte einreichen und sich weniger um andere Programme bemühen. Die Overheads müssten auf alle Programme ausgedehnt werden", unterstrich FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn. Der Kostenpunkt insgesamt wären weitere 40 Millionen Euro.