Wien.

Jeder Topf in der Forschung gehört gefüllt. Die Frage ist nur, woher die Mittel kommen sollen. - © © Andrew Brookes/Corbis
Jeder Topf in der Forschung gehört gefüllt. Die Frage ist nur, woher die Mittel kommen sollen. - © © Andrew Brookes/Corbis
(est) Österreich gibt heuer 8,61 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Das ist eine Steigerung von 347 Millionen Euro oder 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einer Forschungsquote von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt das Land auf Platz fünf der EU-27.

Diese Zahlen nannten die drei zuständigen Ministerien für Wissenschaft, Infrastruktur und Wirtschaft am Montag bei der Präsentation ihres Forschungs- und Technologieberichts 2012. Der Bund, der mit einem Plus von 8,47 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro die höchste Wachstumsrate verzeichnet, finanziert ein Drittel der heimischen Forschungsausgaben.

Mögen sie auch erfreulich klingen, sind Wachstumsraten in dieser Höhe nicht genug, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen, die Forschungsausgaben bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP zu steigern. Dazu wären insgesamt zusätzliche fünf Milliarden Euro nötig, betonte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Erst vergangenen Freitag hatte der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) die nötige Ausgabensteigerung in der Forschung mit jährlich plus 6,5 Prozent beziffert bei einem angenommenen BIP-Wachstum von 3,4 Prozent.

Offen ist einmal mehr, woher die Mittel kommen sollen. Ein Forschungsfinanzierungsgesetz, wie es in der Forschungsstrategie vorgesehen ist, erachten die Minister aufgrund des neuen Haushaltsgesetzes nicht mehr für vordringlich. "Ein solcher Rahmen ist sinnvoll, bedeutet aber nicht automatisch, dass mehr Geld zur Verfügung steht", sagte Infrastrukturministerin Doris Bures. Mitterlehner betonte, er hoffe auf mehr Mittel aus dem Finanzausgleich 2014.

In seinem "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs" beklagt der Forschungsrat eine "Stagnation Österreichs im Mittelfeld" und kritisiert die verloren gegangene Dynamik 2000 bis 2008. "Das können wir nicht ganz nachvollziehen", sagte Mitterlehner dazu und meinte, dass man "die Stagnation in der Krise mittlerweile überwunden hat". Auch Bures verwies auf eine "positive Dynamik" bei den Ausgaben von 2002 bis 2012. In Österreich würden heute 56.000 Forscherinnen und Forscher arbeiten, 38.000 von ihnen im Unternehmenssektor. Das seien um 50 Prozent mehr als 2002.

Bures selbst habe für ihren Bereich, die angewandte Forschung, "alle Effizienzpotenziale ausgeschöpft". Beim letzten Budget habe die Erhöhung von drei Prozent die Einbrüche bei der Nationalstiftung für Forschung nicht kompensieren können. (Anm.: Aufgrund der Entwicklungen auf den Kapitalmärkten stellt diese heuer nur 45,1 Millionen Euro für Förderagenturen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung. 2010 und 2011 hatte sie jeweils rund 75 Millionen Euro ausgeschüttet.) Bures sieht einen Mehrbedarf von 25 bis 30 Millionen Euro in ihrem Ressort.

Erhöhte Forschungsprämie


In- und ausländische Unternehmen bestreiten rund 62 Prozent der Forschungsausgaben in Österreich. Das ist nicht allzu weit entfernt vom Ziel einer 66- bis 70-prozentigen privaten Beteiligung. Mitterlehner strebt nun eine weitere Steigerung der innovativen Firmen um 25 Prozent bis 2020 an, was durch Maßnahmen wie den Innovationsscheck oder die erhöhte steuerliche Forschungsprämie erreicht werden soll. Bei dieser erwartet der Minister heuer eine Steigerung um 29 Prozent auf 450 Millionen Euro.

Positiv sieht Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle die Entwicklung: Die Mittel für Grundlagenforschung seien zwischen 2002 und 2009 um 71 Prozent gestiegen - von 819 Millionen auf 1,397 Milliarden Euro. Rund 73 Prozent davon wird im Hochschulsektor durchgeführt. Der staatliche Anteil sei allerdings mit 89 Prozent sehr hoch: "Wir brauchen zusätzliche Mittel aus privater Hand", so Töchterle. Der Wissenschaftsminister wünscht sich zudem einen Ausbau der personenbezogenen Exzellenzförderung.