Genf/Wien. "Kennen Sie Higgs? Nein, das macht nichts. Niemand kennt Higgs. Es ist unsichtbar - noch", mit diesen Worten beginnt ein sehenswertes YouTube-Video zum Higgs-Boson. Alle Welt spricht nach der Entdeckung des Elementarteilchens am CERN über "Higgs". Doch was verbirgt sich dahinter? Kann man es als "Normalsterblicher" überhaupt begreifen? Begreifen es die Physiker denn überhaupt?

Kann man sich nun ein Higgs-Boson kaufen? Ist es im sommerlichen Eis zu finden? Muss die Weltgeschichte umgeschrieben werden? Wie sieht es aus? Wie ein Atom? Wie eine Welle? Eine Welle am Strand von Hawaii oder eine Radiowelle? Ist es Energie? Das kosmische Karma, das in Allem steckt? Schmeck es nach Fisch?

Physiker des europäischen Kernforschungszentrums CERN haben am Mittwoch die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens gefeiert. Bei ihm dürfte es sich um das Higgs-Boson handeln, nach dem Wissenschafter seit Jahrzehnten fieberhaft fahnden. Im Folgenden die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Teilchen und seine Bedeutung.

Was genau ist das Higgs-Boson?

Das Higgs-Boson spielte der gängigen Teilchentheorie zufolge eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Universums nach dem Urknall.

Das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannte Partikel sorgt demnach dafür, dass alle Objekte eine Masse haben. Wissenschafter gehen davon aus, dass Teilchen in den ersten Milliardstelsekunden nach dem Urknall zunächst masselos mit Lichtgeschwindigkeit umhersausten. Erst durch die Interaktion mit dem Higgs-Energiefeld bekamen sie Masse und konnten dadurch schließlich das Universum bilden - denn erst durch Masse und Schwerkraft entstanden Sonne, Planeten und schließlich das Leben. Das Higgs-Teilchen selbst lässt sich am ehesten als eine Art Fußabdruck des Higgs-Felds beschreiben.

Welche Bedeutung hat das Higgs-Boson für die Physik?

Für die Wissenschafter ist das Higgs das letzte noch fehlende - aber absolut zentrale - Elementarteilchen, um das sogenannte Standardmodell zu vervollständigen. Würde das Higgs-Teilchen nicht existieren, stünde das gesamte seit Jahrzehnten die Physik beherrschende Theoriemodell infrage. Nicht zuletzt deshalb war die CERN-Präsentation am Mittwoch über die internationale Physiker-Szene hinaus mit großer Spannung erwartet worden. Ihm vorausgegangen waren Jahrzehnte der Forschung und nicht zuletzt ein Wettlauf zwischen Wissenschaftern in den USA und Europa. Die Theorie des Higgs-Teilchens wurde erstmals 1964 von sechs Physikern aufgestellt, darunter Peter Higgs. Zum Unverständnis vieler Wissenschafter bekam das Teilchen wegen seiner fundamentalen Bedeutung in der Öffentlichkeit den Beinamen "Gottesteilchen".