Wien. In die Wiege gelegt wurde Franz Schuster die Mathematik nicht. Er wuchs in den 80er Jahren in bescheidenen Verhältnissen in Sankt Margarethen im Burgenland auf. Schon als Jugendlicher verschlang er populärwissenschaftliche Bücher - über Relativitätstheorie, Quantenmechanik, Stringtheorie, Schwarze Löcher und Science Fiction-Literatur. Seinen Wissensdurst und seine mathematische Begabung erkannte sein Lehrer in Eisenstadt, der ihm die Technische Universität (TU) in Wien empfahl.

Franz Schuster - leidenschaftlicher Mathematiker. - © TU Wien
Franz Schuster - leidenschaftlicher Mathematiker. - © TU Wien

Dort studierte Schuster Technische Physik und Technische Mathematik. Bald gewann seine Liebe zur reinen Mathematik die Oberhand, deren Resultate für ihn von zeitloser Schönheit sind: "Erst die reine Mathematik, insbesondere die Geometrie, ermöglicht es mir, diese große wissenschaftliche Neugier mit meiner Leidenschaft für ästhetische Kreation zu verbinden," schwärmt Schuster.

Nach Aufenthalten in Florenz, Freiburg und New York kehrte er in seine wissenschaftliche Heimat an die TU Wien zurück in die Forschungsgruppe für konvexe und diskrete Geometrie. Um Laien eine Vorstellung dieser Forschungen zu vermitteln, erzählt Schuster gerne die Geschichte der phönizischen Königin Dido: Sie durfte der Sage nach so viel Land beanspruchen, wie sich mit einem Lederband umspannen ließ. Welche geometrische Form musste sie wählen, um ein möglichst großes Stück Land zu erhalten? Einen Kreis - die Form mit maximalem Flächeninhalt bei gegebenem Umfang.

Oder: Warum sind Seifenblasen nicht eckig, sondern rund? Eine Seifenlösung hat die Tendenz, sich zusammenzuziehen, also eine möglichst geringe Oberfläche zu bilden. Das ist bei einer Kugel der Fall. Dieses Problem wird in der Mathematik durch die "isoperimetrische Ungleichung" beschrieben. "Sie ist", sagt Schuster, "eines der schönsten und wichtigsten Resultate in der Geometrie."

Seine Arbeiten auf dem Gebiet der konvexen geometrischen Analyse haben Schuster jüngst den größten europäischen Förderpreis, den European Research Starting-Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingebracht. Der mit rund einer Million Euro dotierte Preis gilt als Gradmesser für exzellente Grundlagenforschung. Gemeinsam mit dem zuvor erhaltenen "Start"-Preis des Wissenschaftsfonds für exzellente Nachwuchsforscher kann Schuster sechs Jahre lang zwei Dissertanten und zwei Postdocs beschäftigen.

Dass er durch seine Preise so viel Geld an Land gezogen hat, ist für die in den roten Zahlen steckende TU ein Segen. Mit 34 ist Schuster einer der jüngsten heimischen Mathematiker mit einer unbefristeten Stelle. Zig habilitierte Mathematiker haben nur befristete Verträge und hanteln sich von einem Projekt zum anderen.

Wittgenstein-Preisträger Walter Schachermayer, ebenfalls Mathematiker, traut Schuster zu, noch weiter vorzudringen. "Die Fragen, die Franz Schuster in beeindruckender Weise analysiert, beziehen sich auf die asymptotische Sicht, wenn die Dimension der Räume gegen unendlich strebt. Aus mathematischer Sicht gibt es in diesem Rahmen Fragestellungen, die sich als besonders harte Nüsse erweisen. Einige davon hat Franz Schuster geknackt".

Obwohl es fast an ein Wunder grenzt, dass in den aus Geldnot austrocknenden Forschungsstätten Talente gedeihen, erhalten heimische Forscher laufend ERC-Grants. Am Dienstag holte sich auch die Kognitionsbiologin Friederike Range, derzeit karenzierte Leiterin des "Clever Dog Lab" am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Wien, einen "Starting Grant". Range untersucht das Kooperationsverhalten von Hunden und Wölfen untereinander und mit dem Menschen. Hunde scheinen über eine Art Gerechtigkeitssinn zu verfügen, der sich zeigt, wenn sie ungleiche Behandlung vermeiden, und sie zeigen eine einfache Form von Mitgefühl. Beides sehen die Forscher als wichtig dafür an, dass die Tiere Bindungen zum Menschen eingehen können.