Was wie eine Szene aus einem Science Fiction-Film klingt, könnte bald der Alltag sein. Zumindest, wenn es nach dem US-Philosophen und Zukunftsforscher Ray Kurzweil geht. Seinen Berechnungen zufolge könnte der Mensch bereits in 20 Jahren ein hybrider Organismus zwischen menschlichen Organen und für das freie Auge unsichtbaren Maschinen sein. "Wir werden zu einem Punkt kommen, wo es für alle Körperfunktionen ein technisches Back-Up gibt. Ich habe die Hoffnung, dass schon heute Menschen auf der Erde sind, die ewig leben werden", sagte er kürzlich am Rande eines Vortrags in Wien.

Signale der Hirnschrittmacher

Auf manchen Gebieten hat Kurzweils Verschmelzung von Mensch und Maschine bereits begonnen. Schon heute können Menschen Kraft ihrer Gedanken Prothesen steuern. Oder mit Maschinen Körperfunktionen wiederherstellen. Neuro-Prothesen rekonstruieren die Signalübertragung zwischen geschädigten Nervenleitungen, sodass taube Menschen wieder Sprache und Geräusche wahrnehmen können. Sogenannte Hirnschrittmacher hemmen das unkontrollierte Zittern der Nervenzellen bei Parkinson, bei Tourette-Syndrom unterbinden sie das unkontrollierbare Fluchen. Roboterbeine ermöglichen Querschnitt-Gelähmten, wieder zu gehen.

Gemessen an Kurzweils eleganter Vision, in der hunderte elektronische Helferlein den Körper bewohnen und allerorts dafür sorgen, dass alles im Lot ist, wirken Roboterbeine und sogar der Hirnschrittmacher möglicherweise noch etwas plump. Dennoch stehen sie für die Richtung, die die Verschmelzung von Mensch und Maschine einschlägt: Der Mensch delegiert Fähigkeiten, die er nicht besitzt oder die er verloren hat, an Maschinen. Mit ihrer Hilfe gewinnt er Fähigkeiten dazu oder erwirbt sie zurück.

Mechanischer Flötenspieler

Diese ergänzende Verwendung von Technik ist relativ neu. Denn der Mensch strebte lange nach dem Ideal, Maschinen als sein absolutes Ebenbild zu konstruieren, also einen künstlichen Menschen zu schaffen. Schon in der griechischen Mythologie baute der Schmiedegott Hephaistos menschenähnliche Maschinenwesen. 1495 skizzierte Leonardo da Vinci einen Automaten, der wie ein Soldat in Rüstung aussieht. 1738 baute Jacques de Vaucanson einen mechanischen Flötenspieler.

Der Ursprung des Begriffs Roboter liegt im slawischen Wort robota, das mit Arbeit, Fronarbeit oder auch Zwangsarbeit übersetzt werden kann. Den Ausdruck prägte 1921 Karel Capek, ein tschechischer Schriftsteller, dessen Theaterstück "R.U.R." ("Rossums Universal Robots") von in Tanks gezüchteten, menschenähnlichen künstlichen Arbeiter handelt.