London. (dpa) Astronomen haben erstmals Schwarze Löcher in einem Kugelsternhaufen unserer Milchstraße entdeckt. In dem majestätischen Sternhaufen mit der Katalognummer "M22" stieß ein internationales Forscherteam gleich auf zwei Schwarze Löcher mit jeweils zehn bis 20 Mal so viel Masse wie unsere Sonne.

Die Entdeckung ist überraschend, wie die Gruppe um Laura Chomiuk von der Michigan State University im Fachjournal "Nature" berichtet. Denn der gängigen Vorstellung der Astronomen zufolge dürfte nur ein einziges Schwarzes Loch im Zentrum eines Kugelsternhaufens existieren.

So alt wie das Universum


Kugelsternhaufen gehören zu den ältesten Gebilden des Universums. Sie versammeln zigtausende Sonnen und erreichen mit bis zu 13 Milliarden Jahren fast das Alter des Universums, das 13,7 Milliarden Jahre als ist. Astronomen gehen davon aus, dass in Kugelsternhaufen schon früh Schwarze Löcher entstanden sind, die jedoch fast alle aus den Haufen hinauskatapultiert wurden.

Bis zu dieser aktuellen Studie wurde kein einziges Schwarzes Loch in irgendeinem Kugelsternhaufen der Milchstraße gefunden. Mit dem "Very Large Array" des US-Nationalen Radioastronomie-Observatoriums NRAO entdeckten die Forscher nun gleich deren zwei im selben Kugelhaufen.

Schwarze Löcher entstehen, wenn ausgebrannte, extrem massereiche Sterne am Ende ihrer Existenz unter ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammenstürzen. Der gängigen Theorie zufolge sollten sie sich in Kugelsternhaufen ins Zentrum bewegen und von dort durch Wechselwirkungen mit anderen Schwarzen Löchern hinauskatapultiert werden. "Es sollte an sich nur einen Überlebenden geben", so Chomiuks Hochschulkollege Jay Strader: "Die Entdeckung verändert definitiv das Bild."